Mittwoch, 22.11.23: Fahrt nach Aspra

Als Einpackprofis sind wir schnell fertig. Unsere Vermieterin hat uns noch ein für Catalafimi typisches Brot – hart und gezackt, sonnenähnlich – vor die Türe gelegt – und ab geht die Post. Tom kennt mittlerweile jede Bodenwelle bis zur Autobahnauffahrt in Segesta. Palermo erreichen wir rasch, aber dann beginnt der Nahkampf auf dem Weg durch die Stadt. Spur halten auf dreispurigen Straßen? Fehlanzeige. Palermos Straßen sind außerdem schlecht markiert, die Farbe ist längst abgefahren, der Verkehr erinnert an Autoscooter – alle fahren durcheinander.

Wir sind erleichtert, als wir den Fischerort Aspra östlich von Palermo erreichen und einen bequemen Parkplatz gleich bei der Wohnung finden. Die Eltern des Besitzers und eine Schwägerin, die mal in der Schweiz gewohnt hat, reden gleichzeitig auf uns ein, reißen Schranktüren auf, erklären die Waschmaschine und die Müllabfuhr. Offenbar dienen wir als mittägliches Unterhaltungsprogramm. Die italienische Mamma hat uns aber auch netterweise eine Schale mit Zitronen aus eigener Ernte hingestellt und in die überall auf Sizilien verkauften ‚Testa di moro‘ (Köpfe, die an eine unglückliche Liebesgeschichte erinnern) frische Rosmarinzweigen gesteckt.

Nachdem wir uns installiert haben, starten wir zur Ortserkundung und laufen gleich Vittorio in die Arme, unserem 36jährigen Vermieter. Er fährt auf Yachten – in welcher Funktion auch immer – durch die Weltmeere, ist gerade auf Heimaturlaub und erzählt, dass er am Sonntag über Paris nach Martinique fliegen wird. Wir vereinbaren, dass wir gleich noch Tipps austauschen: Er wird uns ein paar schöne Plätze in der Umgebung nennen, wir schicken ‚kleine Straßen und Plätze‘ in Paris. Sein privates Projekt ist, noch etwa zehn Jahre über die Meere zu schippern, um dann in Aspra mit einem Boot in den Tourismus einzusteigen; zwei Mietshäuser gehören ihm schon – wo unser Airbnb ist, wohnt in mehreren Stockwerken auch noch seine ganze Familie.

In nächster Umgebung finden wir alles, was wir brauchen: Bäcker, Kiosk am Meer, Supermarkt und ein kleines Ristorante (eines von mehreren), wo wir Pasta mit Seeigeln bzw. allo scoglio essen, beides in Riesenportionen. Die Bucht ist sehr schön, die Fischerboote liegen in prächtigen Farben im Hafen und erinnern ein bisschen an die Boote im marokkanischen Essaouira. Später lese ich im Sprachmagazin „Adesso“, dass man hier noch ‚slow‘ Fische fängt, nach alter Art, also ohne Schleppnetze, und allen Beifang oder zu kleine Fische gleich wieder von Hand aussortiert und dem Meer zurückgibt. Das ist uns sehr sympathisch.

Abends wollen wir noch etwas zu Essen einkaufen und verlassen unser Quartier bei leichtem Tröpfeln. Auf dem Rückweg gießt es dann aber in Strömen, so dass wir schon nach den paar hundert Metern ziemlich durchnässt sind und froh, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Aber gut, es war der zweite Regentag (nach Lecce in Apulien) seit dem 3. Oktober (Graz ausgenommen, aber Österreich ist da eh außen vor).


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