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Louies literarischer Liegestuhl

Mobirise

Man sieht sie oft mit einem Buch
im Liegestuhl,
das find' sie cool.
Taucht ab in andre Welten
(mir gelingt das selten).
Bald springt sie auf
und kurz darauf
hört man "Ich such'
ein neues Buch!"

© Louies Wegwerf-Gedichte zum einmaligen Gebrauch, literarisch rückstandsfrei abbaubar!

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Louie:
"Endlich Ferien! Und du liest einen Krimi, der im besetzten Frankreich spielt? Hast du noch alle… mmppff…!"

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1. Dominique Manotti: Le Corps noir
(dt.: Das schwarze Korps)

Frz. Romanautorin und Historikerin (geb. 1942, erster Roman mit 50 Jahren) schreibt Krimis mit sehr durchdachtem und genau recherchiertem Hintergrund, oft mit Settings aus der Wirtschaftsgeschichte.
Der Roman spielt im zweiten Weltkrieg (Zeit um die Landung der Alliierten) und handelt u. a. von französischen ‚gestapistes‘, also französischen Gestapo-Mitgliedern oder zumindest Handlangern. Der Titel spielt auf die SS an, aber auch auf Schwarzhandel u. ä.

**** - harte Sommerlektüre, aber so war es halt. Genau DIESES Buch wollte ich lesen…  

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2. Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen. Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi
(Übers. aus dem Engl.)

Der Autor ist eigentlich Keramikprofessor in England, hat sich aber auf die Spur seiner Familie gemacht und ist wohl zeitweise darin versunken; er lässt immer wieder durchscheinen, dass er sich mit den einzelnen Abschnitten (Paris in der Belle Epoque, Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts…) viel länger beschäftigt hat als geplant. Ein sehr plastisches Bild der Familie Ephrussi, die ähnlich reich war wie die Familie Rothschild, und darüber hinaus der allgemeinen Geschichte. Auslöser für das Familienportrait war das Erbe von japanischen Miniaturfiguren, sog. Netsukes, die heute dem Autor gehören.
Was mich beim Lesen fasziniert hat: Ohne es zu wissen, habe ich schon viele Gemälde aus der Sammlung Charles Ephrussi gesehen, war im Haus eines seiner Freunde (heute Musée Camondo), kenne die Straße, in der das Pariser Haus steht. Dadurch schließt sich so mancher Kreis.

**** [Danke, Agnes, für den Tipp aus unserem Leseclub!]

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Louie: "Wie jetzt? Conny mit Connie…?"

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3. Connie Palmen: Ganz der Ihre (aus dem Holländischen)

Die Holländerin Connie Palmen hat mich schon mit zwei anderen (autobiographischen) Romanen in den Bann geschlagen („In memoriam I. M.“ und „Logbuch eines unbarmherzigen Todes“). Auch „Ganz der Ihre“ finde ich faszinierend, v. a. gefällt mir die Erzählsituation: Fünf Frauen berichten – immer in derselben Reihenfolge – über ihr Leben und ihre (Liebes-)Beziehung zu einem holländischen Don Juan, Salomon Schwartz, genannt Mon. Jede Frau hat ihren eigenen intellektuellen Anspruch, mit der Perspektive verändert sich auch die Sprache. Das Ganze ist noch in einen klugen übergreifenden Rahmen gestellt.

**** - Ich finde es immer schön, wenn mich ein Buch überrascht. Das ist C. P. Gelungen! 

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4. Christine Spaak: Une folle allure (nicht ins Dt. übersetzt)

Der Titel heißt so viel wie „Eine wilde Gangart“ oder „Ein wildes Verhalten (oder auch: Lebensweise)“. Die Autorin ist Journalistin und hat bisher einige (z. T. vergriffene) Romane mit jeweils autobiographischen Inhalten verfasst. Hier geht es um ihre Großmutter und um die Kindheit ihrer Mutter, die durch einen ständig abwesenden (weil ein Doppelleben führenden) Vater bestimmt war, der die Mutter seiner Tochter großzügig finanzierte. Bis der zweite Weltkrieg kam, fuhr man z. B. öfter von Belgien mit einem Privatchauffeur ins französische, am Atlantik gelegene Rochefort. Auslöser für die Nachforschungen über die Kindheit ihrer Mutter ist ein Brief aus Yad Vashem.

***** Ein sehr persönliches Buch, das mich in den Bann gezogen hat.  

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5. Christine Angot: Un tournant de la vie
(Neuerscheinung Sept. 2018, noch nicht ins Dt. übersetzt)

‚La rentrée littéraire‘, also literarischer Schulanfang, nennen die Franzosen, was bei uns ‚literarischer Herbst‘ heißt und die Neuerscheinungen zur Zeit der Büchermesse meint. In Frankreich sind die Büchertische voller neuer Bücher, auf die ich sofort einen Blick werfen MUSS. Und natürlich kann ich nicht widerstehen und kaufe „Un tournant de la vie“ (etwa: Ein Wendepunkt im Leben“), das es aber im Gegensatz zu vielen ihrer vorherigen Bücher noch nicht in dt. Übersetzung gibt.
Der Roman erzählt – in langen Dialogen, die ein genaues ‚timing‘ für Worte, Widerworte und auch Verletzungen aufweisen – von einer Pariserin, die nach neun Jahren in Lebensgemeinschaft mit einem etwas jüngeren Mann aus Martinique, der finanziell von ihr abhängig ist, ihren Ex-Freund auf der Straße sieht. Es kommt zur Kontaktaufnahme mit ihm und zu großen inneren (und äußeren) Konflikten bei allen am Geschehen Beteiligten. Die Autorin schildert die jeweiligen Zustände glaubhaft und einfühlsam. Ein Buch zum Versinken. 

Louie: "Klar, wenn man mit einer wehen Zehe auf den Turm Pey Berland humpelt, hat man sich eine Belohnung verdient, oder? Außerdem: Wenn sie liest, hält sie endlich mal still!"

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6. Pierre Assouline: Double vie (2004)
(gibt es zwar in Portugiesisch, aber nicht in Dt….)

Dieses Buch habe ich letzten Sommer im Gers aufgegabelt, in einem öffentlicher Bücherständer. „Golem“ kenne ich vom selben Schriftsteller. Assouline ist 1953 in Casablanca geboren, Sepharde, Journalist, Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift „Lire“ (Lesen).

Für mich ist die eigentliche Geschichte fast zweitrangig (verheirateter Höhlenforscher hat eine Geliebte, die er an etlichen obskuren Orten trifft und die plötzlich verschwindet). Was wirklich interessant zu lesen war, sind die Schilderungen bestimmter Typen in der französischen Gesellschaft, die der Autor mit den Augen seines Helden anlässlich eines Abendessens durchexerziert, einen nach dem Anderen, die ganze Runde (der Intellektuelle, die Neureiche, der Homosexuelle usw.). Sehr treffende Charakterisierungen, mit viel Humor geschrieben. Aber auch die Ehe wird seziert.

**** - Sehr interessanter Roman trotz des eher ‚üblich‘ erscheinenden plots.  

Louie: "Wie sie es nur schafft: Schon wieder ein Buch über ein Doppelleben… Gibt es dazu ein Abo?"

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7. Bodo Kirchhoff, Widerfahrnis (2016)

Eine Art literarisches Road-Movie: Ein Mann fährt unverhofft und erwartet mit seiner Nachbarin über den Brenner bis nach Sizilien. Was zunächst eher wie eine Liebesgeschichte wirkt, wird später mit der Flüchtlingsthematik verwoben, wenngleich am Ende wieder zurückgeführt. Hier setzt meine Kritik ein: Das ist mir etwas zu gesucht, zu unnatürlich, auch wenn sich immanent Begründungen finden lassen.

Kürzlich las ich von selben Autor „Eros und Asche“, einen Roman über eine Männerfreundschaft; ebenso wie in diesem werden die Schreibseminare erwähnt, die Kirchhoff zusammen mit seiner Frau am Gardasee abhält, ein Teil des Romans spielt sogar am Gardasee (da kommen Nachbar und Nachbarin übrigens auch vorbei). Mich nervt generell an seinem Stil, dass er keine Anführungszeichen vor der direkten Rede setzt und dass ich seine Schreibweise oft als sehr eitel empfinde. Manche Passagen sind aber auch wieder sehr treffend geschrieben.

*** - OK, aber ich verstehe jetzt, warum meine Kollegin Claudia Rösler dieses Buch aus ihrem Bücherschrank genommen hat: Man möchte es kein zweites Mal lesen. Trotzdem: Danke, Claudia! Du warst ja sogar in Nürnberg in seiner Dichterlesung!

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8. Jorge Bucay: Un cuento triste no tan triste (2014)
(Erschienen in der Reihe Reclam Fremdsprachentexte)

Tatsächlich ist es mir gelungen, dieses Büchlein des berühmten argentinischen Bestseller-Autors (in 30 Sprachen übersetzt!) und Psychotherapeuten im Original zu lesen! Da bin ich aber stolz! Es geht um eine ziemlich böse Großmutter, die eine Zeit lang bei ihrer Tochter und der Enkelin Sofia lebt und den beiden (aber auch sich selbst) wegen ihrer Ruppigkeit das Leben gehörig schwer macht. Nach und nach gelingt eine Annäherung, ausgehend von der elfjährigen Enkelin, aber auch, weil die Mutter der Tochter erklärt, wieso die Oma so bissig und abweisend ist: Sie gibt sich die Schuld am Tod ihres noch jungen Sohnes, den sie unbeaufsichtigt gelassen hat, um einer Nachbarin zu helfen. Mutter und Tochter gelingt es gemeinsam, die harte Schale aufzubrechen, woraufhin es der Oma zusehends besser geht, sodass sie in ihr Dorf zurückkehren kann.

*** - Nett zu lesen, aber ein bisschen sehr riecht es doch nach Psychoanalyse… Diesen Eindruck hatte ich auch schon, als ich ein anderes Buch desselben Autors las.  

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9. Rafik Schami: Sophia oder der Anfang aller Geschichten

Wie jede Geschichte und jeder Roman von Rafik Schami in sehr schöner Sprache geschrieben. Wie oft spielt der Roman in Damaskus, aber – Achtung! - nicht nur. Schami bezieht hier auch den politische Konflikte mit ein, lässt den Roman in Deutschland, Rom und Damaskus spielen und verwebt die Ebenen und Handlungsstränge sowie Figuren. Es geht um Facetten der Liebe, um Politik und um die Normen der Gesellschaft.

**** - ein Lesegenuss, ist halt von Schami…! Vier Sternchen, weil man stellenweise glaubt, den Roman schon zu kennen. Manchmal ist Schami zu sehr der/den eigenen Geschichte(n) verhaftet. 

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10. Cees Noteboom: Allerseelen (aus dem Holländischen übersetzt)

Dieses Buch (originalverpackt, ebenfalls von Claudia R. aussortiert) hat mich teils sehr angesprochen, dann auch wieder so gelangweilt, dass ich es weglegen wollte. Immer, wenn ich kurz davor war, hat es mich wieder fasziniert. Als ich dann ein wenig recherchierte, habe ich begriffen, was an dem Buch seltsam ist: Noteboom ist auch ein Reisejournalist (merkt man im Buch); außerdem schreibt er aus der Perspektive des ‚flâneur‘, also in der Tradition Walter Benjamins. Damit geht einher, dass der Protagonist die Wirklichkeit (als Fotograf und Dokumentarfilmer) permanent in Frage stellt. In loser Folge gibt es dann auch (wenige) Handlungsepisoden: Der Protagonist trifft Freunde in Berlin (noch in der Zeit, als die Baulücke am Potsdamer Platz geschlossen wird), dessen einer wohl ein Portrait Rüdiger Safranskis darstellt (lt. Wikipedia, wo es einen sehr erhellenden Beitrag zum Buch gibt). Eine seltsame Liebesgeschichte und drei Gewalttaten, die dem Protagonisten widerfahren, gibt es zusätzlich auf der Handlungsebene. Ansonsten überwiegen Betrachtungen und Reflexionen.

**** - aber insgesamt mühsam zu lesen. Eines der Bücher, die man, wenn man sie einmal gelesen hat, gleich noch einmal anfangen müsste, um sie wirklich zu verstehen. Warum Noteboom? Er gehört zu Connie Palmens Freundeskreis; außerdem las ich von ihm schon zwei andere Bücher, die ich mochte.

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11. Kristin Hannah: The Nightingale (dt. Die Nachtigall)

Der Roman ist eine historische Fiktion, die den Verlauf des ganzen zweiten Weltkriegs an Hand des Lebens zweier gegensätzlicher Schwestern nachzeichnet. Während die eine einen deutschen Offizier bei sich beherbergen muss, wendet sich die andere dem Widerstand, der Résistance, zu. Die Autorin nähert sich jedem ihrer Bücher erst einmal über Recherche an und bezeichnet es als das Schwierigste überhaupt, Tatsachen und Narration in Einklang zu bringen. Viele Tatsachen im Roman kannte ich aus der TV-Serie „Un village francais“ und aus anderen Bücher über diese Zeit; dennoch war es interessant, die Entwicklung der beiden Charaktere zu verfolgen. Auch ist der Roman zusätzlich in eine moderne Zeitebene eingebettet, dessen Ich-Identität sich erst ganz am Ende erklärt (guter Trick!).

**** - es zieht einen in das Buch; am Anfang erschien mir alles etwas zu vorhersehbar. Manchmal fand ich auch den Satzbau zu einfach, dafür liest es sich aber auch im Original recht leicht. Weinen musste ich nicht – die Autorin sagt in einem Interview, dass sie selbst ihren Text so emotional finde, dass sie immer wieder weinen müsse. Jaja, die Amerikaner…

[Danke, Gundula, für diesen Buchtipp!]

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12. Joel Dicker: La vérité sur l‘Affaire Harry Quebert
(850 Seiten!, auf Dt. „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ bei Piper)

Der erste Bestseller eines 28-jährigen Autors aus der französischen Schweiz spielt mit allen möglichen Themen. Einerseits geht es darum, wie man Romanautor wird und schreiben lernt (dazu 31 Tipps, die gleichzeitig die Kapitel strukturieren und rückwärts gezählt werden), wie perfide die Buchbranche ist, die Autoren und Bestseller ‚macht‘ (Wahrheit oder Satire?), es geht um Freundschaft und Liebe, die Aufklärung mehrerer Morde, Psychogramme einiger Romanfiguren, um die amerikanische Gesellschaft mit ihren Restriktionen. Zeitlich spielt der Roman zwischen 1975 und 2008 (inkl. Wahl Obamas zum amerikanischen Präsidenten) und springt wild (aber immer mit Datum) zwischen den Erzählzeiten und -ebenen, aber auch zwischen den Erzählweisen (z.B. Interview, Verhör, Mitschnitt, fiktiver Bericht, Erzählung in Varianten…) und spielt sogar noch mit einem angeblichen Vorgängerroman (Der Fall Quebert), um dann letztlich doch die ‚Wahrheit‘ über den Fall zu erzählen. In einem Interview sagt der Dicker, dass es ihm darum ging, ein Buch für verschiedene Lebensalter und Leserschichten zu schreiben, eines, das alle fessele. Darüberhinaus solle es auch den klassischen 15-jährigen Nichtleser erreichen (was ich bei einem Umfang von 850 Seiten STARK bezweifle…!). Und letztlich sei ihm wichtig, den Sinn des Lebens zu erklären. (Diesen Anspruch fand ich etwas schnöselhaft-jugendlich übertrieben…). Immerhin liest es sich gut, flüssig und überrascht bis zum letzten Kapitel durch immer wieder neue und unvorhersehbare Wendepunkte.

**** - spannend war der Roman durchaus, aber manchmal fand ich den Text zu ausschweifend. Insgesamt gefiel mir Dickers dritter Roman („Die Geschichte der Baltimores“ besser. Der vierte wartet schon auf meinem E-Book-Reader. 

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Der Liegestuhl in Aktion...
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13. Dörte Hansen: Mittagsstunde (2018)

(Agnes) Ich habe mich allerdings durch die neue Dörte Hansen "Mittagsstunde" gefressen. Es ist im Stil und Ton dem „alten Land“ [Hansens erster Roman von 2015] ähnlich, man spürt deutlich ihren Erzählduktus, aber doch eine ganz andere Geschichte. Es ist wieder eine Studie des Landlebens und der Menschen, vor allem wie diese von der rauen Landschaft in diesem fiktiven Dorf geprägt werden. Auch hier verwebt sie verschiedene Zeitebenen wie schon in "Altes Land" geschickt. Manch einem mögen die Landschaftsschilderungen und die Verbindungen und Psychogramme der Bewohner zu viel sein, vielleicht auch ihre Neigung zu Ellipsen, Asyndeta und Reihungen, aber ich mag es sehr. Die Bewohner des Dorfes werden unglaublich plastisch. Der Protagonist nimmt übrigens ein Sabbatical, aber ein ganz anderes als ihr..... Für mich war es ein wirklich tolles Buch zur richtigen Zeit. Die reflexiven, manchmal fast meditativen Passagen passen gerade gut. 

(Cornelia) Wie witzig, auch ich habe in der letzten Woche "Mittagsstunde" gelesen, in 2 Tagen, einerseits fasziniert von den Psychogrammen, nach 3/4 etwas genervt, weil es mit Dr. Ingwer Feddersen so gar nicht weiterging und nur die nächste Schilderung eines Dörflers sich anschloss. Die Geschichte ist doch bitterer, als man meint: Schließlich erfährt er nie davon, dass er ein Kuckuckskind ist - es blieben doch mehrere Protagonisten nur halb glücklich, auch wenn sie an der Oberfläche ganz glücklich erscheinen. Ich bin also etwas zwiespältig zurückgeblieben.

(Agnes) Ich stimme Dir zu, dass die Geschichte weit bitterer ist, als sie zunächst daherkommt. Aber das war ja in "Altes Land" sehr ähnlich: Gebrochene oder seelisch verwundete Menschen, die die Fassade nach außen aufrecht halten (wie wir das wohl alle oftmals tun). Kleiner Nachtrag: diese Schilderung, als die Moderne in das Dorf Einzug hält, fand ich äußerst gelungen. Das Alte muss weg um jeden Preis.

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14. Connie Palmen: Freundschaft
(1998, in kongenialer dt. Übersetzung)

Der Klappentext (diogenes) sagt:

„‘Die Freundschaft‘ ist ein Roman über Gegensätze und deren Anziehungskraft; über die uralte und rätselhafte Verbindung von Körper und Geist; über die Angst vor Bindungen und Sehnsucht nach Zugehörigkeit; über Süchte und Obsessionen und die freie Verfügung über sich selbst.
Ein Buch über eine ungewöhnliche Beziehung und über die Selbsterforschung einer jungen Frau, die lernt, ihrem eigenen Kopf zu folgen und sich von falschen Vorstellungen zu befreien. Es erklärt, warum Schuldgefühle dick machen und warum einen die Liebe in den Alkohol treiben kann. Warum man sich vor allem von der Liebe nicht zu viel versprechen darf. Und dass die Erregung im Kopf – das Denken – nicht weniger spannend ist als die im Körper. Ein aufregend wildes Buch voller Selbstironie, das Erkenntnis schenkt und einfach jeden angeht.“

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, dass Connie Palmen den jeweiligen Ton der 10-, 20- und 30-Jährigen gut trifft – das gefällt mir außerordentlich. Gleich, nachdem ich dieses Buch fertig gelesen hatte, ließ ich mir ein weiteres Buch von Palmen aufs ebook schicken. Ich bin wieder sehr angetan!

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15. Camille Laurens: L‘Amour, roman (2003 )
(auf dt. noch antiquarisch erhältlich)

Die Autorin stammt aus Dijon, wir sind fast gleichaltrig und ich habe schon ein anderes Buch von ihr gelesen („Celle que vous croyez“) und mir jetzt noch eines auf den ebook-reader geladen: „Dans ces bras-là“. Ihr Name ist ein Pseudonym, man weiß aber, wie sie heißt, nämlich Laurence Ruel.

Im aktuell gelesenen Buch geht es um die Liebe (oder das Entlieben, Verlieben…) in allen Facetten anhand der eigenen Familie (vier Generationen), der eigenen Scheidungsfindung; alles mit Liedtexten versetzt (Barbara, Johnny…) und von Maximen von La Rochefoucauld durchzogen. Weil sie ihren damaligen Noch-Mann mit seinem echten Vornamen benannte, kam es zu einem Prozess. In der zweiten Auflage musste der Vorname getilgt werden – ich habe die erste antiquarisch erworben (Zufall).

*** - manchmal etwas viel Nabelschau, aber dann wieder mit brillanten Beobachtungen und Formulierungen. 

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16. Mareike Krügel: Bleib wo du bist (2010)

Von der Autorin las ich schon einen anderen Roman, der mir gut gefallen hatte: „Die Tochter meines Vaters“. Im vorliegenden Buch geht es um einen – seelisch etwas angeschlagenen Psychotherapeuten, der auf einer Tagung in Meran sprechen soll. Er behandelt hauptsächlich Menschen mit Zwangsstörungen (sehr interessante Fallschilderungen!) und gerät in Meran in eine Krise, die zeigt, dass er trotz Studium und Beruf nicht gefeit ist…
Gut erzählt, wechselnd zwischen Südtiroler Ambiente und Phantasiewelt.

*** - interessant, aber irgendwie bleibt man als Leser auf Distanz zum Protagonisten und bleibt Beobachter

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17. David Foenkinos: Vers la beauté (2018)
(dt.: Die Frau im Musée d‘Orsay)


Ausschnitt aus der Lebenskrise eines Kunstdozenten aus Lyon, der kurzfristig alles aufgibt und als Museumsaufseher im Musée d‘Orsay anheuert.

(Klar, bin schon lange Foekinos-Fan: vor allem Charlotte Das Geheimnis des Henri Pick, Nathalie küsst und viele weitere)

***** - sehr schöne Psychogramme, depressive Inhalte leicht und humorvoll erzählt, auf jeden Fall einfühlsam-plausibel

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18. Doris Ryffel-Rawak: Auf Spurensuche am Rio de la Plata (2012)

Als Lesetipp aufgeschnappt beim Frühstück in Colonia del Sacramento/Uruguay und gleich in elektronischer Form erworben. Leider beim Kauf nicht gemerkt, dass es sich um e-publishing handelt, worum ich bisher immer einen großen Bogen machte. In der Tat, z. T. ist das Buch interessant, weil es starke autobiographische Züge hat, z. T. aber einfach schlecht geschrieben und auf dem Niveau eines Groschenromans.

** - immerhin fallen doch einige (etwas zu positive) Reisetipps ab oder es werden Eigenheiten Uruguays (die es ähnlich auch in Argentinien gibt) erklärt


Ja, und dann gibt es da noch die abgebrochenen Bücher…
- Marie Ndiaye: La cheffe.
Ja, Regina hatte mich gewarnt, aber ich hatte die Autorin auf der Frankfurter Buchmesse 2017 live gehört und war ganz gespannt auf dieses Buch (über eine Küchenchefin). Wer es gelesen hat, möge mir Bescheid geben…!
- Jorge Bucay: Déjame que te cuente
Ich habe es vor Jahren von Uta in der deutschen Übersetzung geschenkt bekommen. Bucay ist Bucay ist Bucay… man spürt einfach immer den Therapeuten.
- Pierre Lemaitre: Trois jours et une vie
Für ein anderes Buch hatte der Autor vor ein paar Jahren den Prix Goncourt erhalten, von allen hoch gelobt. Dieses hier habe ich nach den ersten 50 Seiten mehr durchgeblättert und manchmal diagonal gelesen, so abstrus fand ich die Geschichte des Totschlags eines Sechsjährigen durch einen Dreizehnjährigen.
- Mathias Enard: Boussole
Auch ein Prix Goncourt, hochgelobt, 2015. Ein Tag im Leben eines Musikwissenschaftlers. Um 23.10 (im Roman) habe ich aufgegeben. Sprunghafte Gedanken, lose aneinandergereiht, viel Nabelschau wegen einer nie ausgesprochenen Liebe. Schade, auf dieses Buch war ich so gespannt...



19. Petra Reski: Palermo Connection (2014)
Netter Mafia-Krimi mit viel Sachkenntnis geschrieben. Von der Autorin gibt es auch ein Sachbuch über die Mafia in Süditalien. Sie ist Journalistin.


Ein paar Romane, die in Südamerika spielen, will ich im Folgenden zusammenfassen:

20. Gioconda Belli: Mondhitze
Etwas Esoterik, etwas Lokalkolorit (Bolivien), ein bisschen Politik, eine Prise Liebe, Frauenemanzipation. Dennoch: Frühere Romane von Gioconda Belli haben mich mehr fasziniert oder beeindruckt.

21. Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
Zu sehr (im Team) konstruierte Geschichte um eine Vatersuche, etwas kitschig, mit esoterischen Anklängen; das Bandoneon als Dingsymbol und Deus ex machina.

22. Eberhard Rathgeb: Kein Paar wie wir
Da der Journalist und Autor in Buenos Aires geboren ist, gehe ich davon aus, dass er etwas Familiengeschichte in seinen Roman eingewoben hat. Übrigens ist er mit Iris Radisch verheiratet. Der Roman zieht sich aufgrund vieler Wiederholungen, die in diesem Fall ein konstituierendes Element sind, um die Langeweile der beiden Schwestern, die in Buenos Aires leben, darzustellen, sehr in die Länge und langweilt spätestens ab der Mitte.

23. Ariel Magnus: Die Schachspieler von Buenos Aires
Um die verworrenen Gedankengänge im Roman nachvollziehen zu können, müsste man Schachspielen können. Der Roman mischt Reales (erste Schach-Olympiade in Südamerika) mit Fiktivem (Figuren aus Stefan Zweigs „Schachnovelle“ leben weiter), dazu Autobiographisches (Briefe des Großvaters) usw. Das wird auch im Vorwort lange dargelegt. Nach 60% aufgehört zu lesen… 


Außerdem einige Romane zum Thema 3. Reich:
24. Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
Ein Text, der mich ab der ersten Seite gepackt und bis zum Ende fasziniert hat: Tolle Personen- und Charakterschilderungen! Man bekommt alle Facetten der Wirksamkeit der Ideologie des Dritten Reichs gezeigt, anhand einer Familiengeschichte.
Der Lebenslauf des Autors ist erschütternd…
25. Leon Feuchtwanger: Die Geschwister Oppermann (1933)
Kluge Schilderung des Wohl und Wehe von drei jüdischen Brüdern (Arzt, Schriftsteller, Kaufmann), mit autobiographischen Bezügen, innerhalb dreier Zeitabschnitte. Sehr ‚seherisch‘, da bereits 1933 verfasst.
26. Robert Badinter: Idiss (2017)
Der französische Jurist Badinter (Ehemann der Soziologin Elisabeth Badinter) erzählt sehr persönlich vom Schicksal seiner Ashkenase-Großmutter Idiss (die mit ihrer Familie nach Paris flüchtet) und darüber hinaus von seiner ganzen jüdischen Familie im Paris vor und während der deutschen Besatzung.



Ein paar Romane fallen aus der ‚Reihe‘:
27. Alex Capus: Königskinder (2018)
Eine märchenhafte Erzählung eingebettet in das Eingeschneitsein eines Schweizer Ehepaar auf einer Passstraße. Sehr schön zu lesen!
28. Lucy Fricke: Takeshis Haut
Der erste Roman über Fukushima, den ich kenne, aufgehängt am Filmprojekt einer Geräuschemacherin. Eindringliche Schilderung der Situation von innen heraus. Natürlich ist es auch eine Liebes- und eine Trennungsgeschichte. Pfiffige Romanidee und modern geschrieben.
29. Und wieder Argentinien: Elsa Osorio, Ich heiße Luz (2004)
Das Thema der Kindesentführungen /-verschleppungen während der Diktatur in Argentinien hatte mich in Buenos Aires sehr beschäftigt. Im Franco-Spanien war es übrigens dasselbe; dort gibt es jetzt erste Prozesse…
Elsa Osorio schreibt multiperspektivisch einen dicht gewebten, sehr persönlichen Roman, der auf guter Recherche beruht. Man kann den seelischen Druck, der auf den Kindern von Vermissten liegt, aber auch auf den Adoptierenden oder ihren Mitwissern lastet, sowie die Brutalität der Helfer des Regimes gut nachvollziehen. 

Mobirise
Gelesen wird immer und überall
(Warten auf den Abschleppdienst)

30. Horst Rückert: Das Blendwerk: Von der Colonia Dignidad zur Villa Baviera (2014)
Ein deutscher Schulleiter in Chile beschäftigt sich eingehend mit Vergangenheit und Entwicklung der Colonia Dignidad, ihrer Umwandlung und dem Neubeginn als Colonia Baviera. Sehr fundiert, gut recherchiert und in klarer Sprache verfasst.
Der Inhalt hat mich sehr gefangen genommen; ich bin froh, dieses Sachbuch noch in Chile gelesen zu haben!
31. Luis Sepúlveda: Historia de Max, Mix y Mex
Lustigerweise lese ich die kleine Geschichte, die in München spielt, als wir im Norte Chico sind, also genau in der Region, in der der Autor geboren ist: in Ovalle. Heute lebt er in Gijon (Spanien). Großes Thema in der kleinen Geschichte ist die Freundschaft. Sehr nett!
32. Grégoire Delacourt: Danser au bord de l‘abîme (2017)
Neben dem „Ecrivain de la famille“ ist dies der Roman von Delacourt, der mich am meisten beeindruckt hat. Die Geschichte einer Ehe, die durch die Begegnung mit einem anderen Mann auseinanderbricht, weil der Ehemann nicht rechtzeitig erkannt hat, welche Bedürfnisse seine Frau hat, die Geschichte einer immensen Trauer, die Geschichte seiner Krebserkrankung, einer neuen Liebe und einer Neubegegnung mit seiner Ehefrau. In drei Teilen verfasst, mit besonderer Erzählsituation und der „Chèvre de Monsieur Beguin“ als Leitmotiv. Ein sehr emotionales Buch, wunderbar beobachtet und geschrieben!
35. David Foenkinos: Deux soeurs (2019)
Der xte Foenkinos, den ich lese – und er hat mir wieder sehr gut gefallen, auch wenn es letztlich eine bitterböse Geschichte über die beiden Schwestern ist. Ein Psychogramm…
36. Philippe Garenne: Arrêt à Ré (2019)
Eigentlich bin ich ja kein Fan von Lokalkrimis, aber nachdem unsere Reise mit Segeln um die Ile de Ré herum begonnen hat, mache ich eine Ausnahme. Außerdem finde ich das Klangspiel im Titel nett. Der Autor war Schulleiter auf der Ile de Ré. Ja, man muss nicht mehr von ihm lesen, aber der eine Krimi hat mir Spaß gemacht, weil mit viel Lokalkolorit.
37. Doris Gehrke: Frisches Blut. Deutsche Geschichten (2019)
Schon wieder Krimigeschichten, recht kurz oft, aufs Wesentliche beschränkt, gut formuliert. Hier habe ich mich von einer Rezension in der ZEIT verleiten lassen, aber das Lesen nicht bereut. Die schon recht betagte Autorin ist auch Drehbuchschreiberin.
38. Eric-Emmanuel Schmitt: Felix et la source invisible
Na ja, so ein typischer Schmitt-Roman halt… Etwas Mystik, etwas Brisanz und Aktualität, alles in sehr schöner Sprache. Ließ sich gut lesen, aber es ist ein Buch, das ich niemandem schenken würde… Felix‘ Mutter, vorher dynamische Café-Besitzerin, wird immer matter… Niemand in Paris kann ihr helfen – sie gerät auch an lauter Scharlatane. Erst als sie sich damit innerlich versöhnt, ihre Heimat Afrika verlassen zu haben, geht es wieder aufwärts mit ihr. Und Felix‘ Leben wird auch besser.
39. Daphne Kalotay: Russian Winter
Geschichte über eine russische Tänzerin, die in den USA lebt, wohin sie aus der UdSSR geflüchtet ist. Am Ende ihres Lebens will sie ihren Bernstein-Schmuck veräußern. Dadurch gerät ihr Leben, aber auch das Leben zweier weiterer Protagonisten ins Wanken.
Trotz des interessanten Plots liest sich das Buch streckenweise sehr langweilig; wie manche US-Romane, die aus Kursen für kreatives Schreiben entstanden sind. Man hätte das Buch auch sehr raffen können/müssen…
40. Brigitte Giroud: J‘apprends (2005)
Nicht mein erster Roman dieser Autorin, die ich sehr schätze. Hier verarbeitet sie mehrere Phasen ihrer Kindheit und Adoleszenz und macht die Phasen an dem fest, was sie zu diesen Zeiten jeweils gelernt hat oder lernen muss.
Sehr interessanter Ansatz!
41. Martine Levesque: LOL est aussi un palindrome (2015)
Anekdoten aus dem Schulalltag, die zeigen sollen, wie viel Humor die Schüler haben und zu welch außergewöhnlichen Denkleistungen bei aller Lethargie sie fähig sind.
Sehr nette Zusammenstellung! Aufmerksam wurde ich durch sie über ihr neuestes Buch (2019), über das ich eine Rezension im EXPRESS las.
42. Emmanuel Bergmann: Der Trick (2017)
Roman über einen gealterten Zauberer und einen kleinen Jungen in Los Angeles, der auf dessen Zauberkraft vertraut und von ihr erhofft, dass er die Ehe seiner Eltern retten kann.
Witzig und leichtfüßig geschrieben, ein Erstlingsroman. Der Autor ist in Deutschland geboren, lebt in LA und ist Journalist und Übersetzer.
[Danke für den Tipp, Regina!]
43. Marie Nîmier: Confidences (2019)
Ihr neuester Roman basiert auf wahren Geschichten, die sich die Autorin, mit verbundenen Augen in einem fast leeren Raum sitzend, von Leuten erzählen ließ, die ihrem Aufruf per Aushang und Annonce gefolgt waren: Vertrauen Sie mir Ihre Geschichte an, Ihre Beichte, ein Erlebnis, das Sie sich noch nie mitteilen trauten… - usw.
Ein interessanter Ansatz, mit dem Ergebnis teilweise amüsanter, bewegender, interessanter Lebensgeschichten. Die Autorin reflektiert dabei auch, wie sie sich mit den Gesprächspartnern fühlt, die sie wegen der Augenbinde nicht sehen kann. Weitere Romane von Marie Nîmier habe ich auch mit großem Vergnügen/Interesse gelesen: „Les inséparables“ (2008), „La Reine du silence“ (2004); etwas weniger mochte ich „Photo-Photo“ und „La Plage“ (dennoch lesenswert!)
44. Marie Nîmier: Anatomie d‘un choeur (1990)
Wer je selbst in einem Chor gesungen hat, wird die Atmosphäre und das Geflecht der verschiedenen Personen(gruppen) gleich wiedererkennen – toll beschrieben! Darüber hinaus gibt es eine fast krimiartige Nebengeschichte und (natürlich) eine Liebesgeschichte.
Der im Französischen durch Homophonie doppeldeutige Titel gefällt mir auch.
45. Jojo Moyes: The One Plus One (2014)
Oft misstraue ich Erfolgsautoren, aber Jojo Moyes weiß einfach, wie man plots anlegt und vor allem auch, wie man den Leser bei der Stange hält. Viele (witzige) Dialoge und (überraschende) Wendungen. Themen: Familie, Hochbegabung, Liebe, Selbstverwirklichung und ein bisschen Road-Movie. Unterhaltsam – die 560 Seiten sind im Nu gelesen…!
47. Pam Jenoff: The Lost Girls of Paris (2019)
Spionagegeschichte, auf wahren Fakten beruhend, die im Zeitraum von 1944 bis 1946 spielt, auf zwei Zeitebenen. Recht konzentriert geschrieben, ohne ablenkende Nebenhandlungen, unter weitgehendem Verzicht auf die Darstellung von Grausamkeiten. Der Schwerpunkt liegt auf der Rekrutierung und Ausbildung von weiblichen englischen Spionen, die hauptsächlich als Funkerinnen im von Deutschen besetzten Frankreich eingesetzt werden sollten.
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite! [Danke, Tom, dass dir der Titel in einer neuseeländischen Buchhandlung ins Auge gesprungen ist!]


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