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Australien: Wohnmobiltour
Teil 2:

Von Adelaide nach Brisbane


Tag 321/ Mo 24.6.2019 / Adelaide
(Cornelia) Auf den ersten Blick wirkt die Fußgängerzone von Adelaide recht inhomogen; verschiedene Epochen und Stile, Bauhöhen, Farben. Auf den zweiten merkt man, dass das Zentrum recht belebt ist. In einer schönen alte Arkade gibt es sogar noch einen normalen Schuster, einen Friseur oder einen Staubsaugerladen. Allerdings sehen wir auch viele bettelnde Menschen; eine alte Chinesin tanzt mit zwei rosa Fächern zu ABBA-Musik.
Der Uni-Campus liegt am nördlichen Rand des CBD; wir werfen einen Blick in die altehrwürdige State Library of South Australia, ein schönes Gebäude mit zwei umlaufenden Balkonen, wo sich viele Studenten aufhalten (klar, oben ist es deutlich wärmer als unten…). Im Anschluss befindet sich das Australian Museum, das wir morgen besuchen wollen, gleich daneben die Art Gallery of South Australia. Sie entpuppt sich als Konglomerat verschiedener Säle und Räume, hier ein paar Stufen hinauf, dort ein paar hinunter, und stellt ihre Schätze nach großen Themen geordnet aus, z. B. menschliche Beziehungen, Meereslandschaften, Portraits usw. Diese Themen erlauben die wildesten Kombinationen. Es muss Spaß machen, als Kurator aus einem ganzen Reservoir an Bildern und Skulpturen zu schöpfen und assoziativ zu kombinieren. Und mir gefällt es auch oft, die Beziehungen zwischen den Bildern zu entdecken. Manche Räume sind mit Morris-Tapeten ausgestaltet, die Höhe der Hängung ist auch sehr unterschiedlich, Möbel sind wild dazu gesellt – erlaubt ist, was gefällt.
Ins Migration Museum werfen wir nur einen kurzen Blick und beschließen, dass es sich für uns nicht lohnt, länger zu verweilen. Interessant ist aber, dass South Australia sich damit brüstet, keine ‚convict‘- (Sträflings-) Vergangenheit zu haben, im Gegensatz zu Sydney und anderen Landesteilen. Alle Siedler haben sich aus freien Stücken niedergelassen. Berührend sind die Plaketten im Hof, Danksagungen verschiedener Bevölkerungsgruppen (z. B. Donauschwaben, Vietnamesen u.v.m.), die der Verfolgung in ihren Heimatländern entgangen sind und sich in South Australia niedergelassen lassen konnten.
Auf der Suche nach einem Restaurant stehen wir plötzlich vor einem „Jamie Oliver Italian“. Das müssen wir ausprobieren; später stellen wir fest, dass es in Deutschland kein einziges Jamie-Restaurant gibt und 19 englische gerade Insolvenz anmelden mussten – und 1000 Angestellte arbeitslos sind. Die internationalen Restaurants gibt es weiterhin. Zum Glück – die Gerichte schmecken sehr gut! 


Tag 322/ Di 25.6.2019 / Adelaide
(Cornelia) Heute ist Ausschlafen angesagt; es ist warm genug, um draußen in der Sonne frühstücken zu können – gleich ist es ein ganz anderes Camping-Gefühl! Um 12 Uhr finden wir uns noch einmal im South Australian Museum ein, wo man einen Film in VR-Qualität zeigt: Von Sir David Attenborough über das Great Barrier Reef. Der Film beginnt mit einer Ansicht vom Weltraum aus, von wo aus man das Reef mit seinen über 2000 Kilometern Länge deutlich wahrnehmen kann. Ziemlich schnell steigt man mit dem Sir in einen Helikopter, dann in einer U-Boot-Forschungskugel, in der drei Personen Platz haben. Die Unterwasserbilder kommen zusätzlich von zwei Tauchern außerhalb der Kugel. Unter dem Reef befindet sich am Tauchort ein Unterwassergebirge von 2400 Metern Höhe/Tiefe, wohingegen das von Korallen besiedelte Hochplateau sich nur in 35 Metern Tiefe befindet – soweit reicht auch noch das Sonnenlicht, das die Algen zum Wachstum brauchen, die den Korallen beim Aufbau ihres Kalkgerüsts helfen. Natürlich hat man über die VR-Brille das Gefühl, man selbst sei im Wasser und tauche, die bunten Fischchen und auch den Hai zum Greifen nah. Dennoch wir verlassen den Saal ohne nasse Füße und mit dem Eindruck, eine weitere kleine Reise gemacht zu haben. Wie üblich interessieren uns die zusammengesetzten Knochen und diversen ausgestopften Tiere wenig, so dass wir schnell ins Sonnenlicht drängen. In der Nähe des Museums sehen wir dann ein paar Aborigines auf Bänken in der Sonne sitzen – die ersten, die wir im Stadtbild wahrnehmen! Insgesamt können wir sie noch an einer Hand zählen, so gering ist die Rolle, die die Aborigines im modernen Australien spielen. Lediglich in den Kunstmuseen schätzt man sie – so unser Eindruck.
Auf dem Weg zum Samstag Art Museum an derselben Straße weiter westlich streifen wir auch noch moderne Uni-Hochhäuser mit verschiedenen Forschungseinrichtungen und die Jam Factory, in der man wunderschöne Glas- und Keramik-Design-Artikel erwerben könnte, so man Platz im Koffer hätte… Im Samstag Museum (auch am Mittwoch geöffnet, haha) gibt es eine Ausstellung zum Thema Krieg in zwei Sälen: Der erste beleuchtet den Kriegseinsatz der Aborigines in WK I und II und ihre gleichzeitige Rechtlosigkeit in Australien, der zweite die Gewalt im WK II unter verschiedenen Gesichtspunkten und z. T. mit dem Pinsel von ‚Official War Artists‘, die zu Propagandazwecken eine Art dokumentarische Funktion hatten. Deren Existenz war uns beiden völlig neu.
Der Central Market, ein paar Tramstationen entfernt, hat zwar viele Stände mit Waren aus aller Herren Länder, aber so richtig gemütlich ist er nicht. Mit der selben Tramlinie geht es wieder zurück und noch 20 Minuten weiter, bis wir an Adelaides beliebtem Strand in Glenelg gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang ankommen. Wir schlendern an die Spitze des Piers und sehen die Sonne als orangefarbenen Feuerball im Ozean versinken. Der Himmel wolkenlos, wunderschöne Farbverläufe – toll!

Mobirise

Tag 323/ Mi 26.6.2019 / Renmark
(Cornelia) Die berühmteste Weingegend Australiens liegt etwa 50 Minuten nördlich von Adelaide – und wir brauchen weder einen Grund noch eine Ausrede… unsere Route führt genau durchs Barossa Valley. Klingt italienisch, wurde aber nach der Schlacht bei Barossa (in der Nähe von Cádiz) in den Napoleonischen Kriegen benannt. Die Gegend war nach einer Erstbesiedelung durch die Briten (natürlich immer später als die Aborgines…) bei deutschen Auswanderern sehr beliebt, die wegen ihres protestantischen Glaubens in manchen Gegenden verfolgt waren. Folglich gibt es hier Dörfer wie Krondorf oder ein Weingut namens Blickinstal. Im Hauptort des Weinanbaugebiets (hauptsächlich Shiraz, aber oft Kooperationen mit dem nahe gelegenen Riesling Valley) wirbt ein Geschäft mit dem Namen ‚Die Barossa Wurst Haus Bakery‘ - scheint aber keine Ahnung von deutscher Backkunst zu haben (und die Käse-Krainer sind auch nicht ursächlich deutsch…).
Weil das Weingut, das wir besuchen wollen, noch geschlossen ist, fahren wir an einem Hügel mit den Namen ‚Kaiserstuhl‘ vorbei zu einem Aussichtspunkt (Mengler Hill Lookout), der außer dem Blick in die wolkenlose Weite auch noch einen Skulpturenpark bereit hält. Nett! - Schrecklich ist aber ein in den 90er-Jahren aufgestelltes Denkmal, das die Kolonialisierung preisen will. Es ist mit einem Bibelzitat überschrieben und vergisst, dass der Herr nicht den Kolonisatoren das Land geschenkt hat, sondern dass sie es den Aborigines weggenommen haben. Aus heutiger Sicht untragbar.
Das Weingut Rockford, von dem wir später lesen, dass es zu den renommiertesten in Australien zählt, besteht aus mehreren sehr gemütlich wirkenden Steinhäusern und macht wirklich wohlschmeckende Weine. Wieder bin ich dran, weil Tom fährt, und wieder ist es ‚high noon‘… da will man nicht wirklich probieren, aber ‚wat mutt dat mutt‘, wie die Niedersachsen sagen.
Die sanft hügelnde Gegend wirkt sehr vertraut, ändert sich aber doch rasch und wird immer karger; die Erde hat bald die typisch rote Färbung, die man aus Australien-Prospekten kennt. Ärger haben wir an einer virtuellen Grenze zwischen der Region um Adelaide und dem sogenannten Riverland: Wir müssen uns allen Obst und Gemüses entledigen, und wir hatten doch erst unsere Vorräte aufgefüllt! „Bin it or eat it“ ist auf Warnschildern zu lesen, zusammen mit dem Hinweis auf saftige Strafen. Zum Essen ist es zu viel, also flugs an den Straßenrand gefahren und Obst und Gemüse verarbeitet; ob das Gemüseallerlei essbar ist, wird sich noch zeigen, aber das Kompott ist in Ordnung… Die Ethiklehrerin kann die Obst- und Gemüsevorräte einfach nicht wegwerfen…! Keiner hat uns gewarnt, dass die Agrarbehörde innerhalb von South Australia (!!!) noch einmal zuschlagen würde. Grummel. Ursache ist, dass die Riverland-Region, die 95% allen australischen Obst und Gemüses produziert, vor der Fruchtfliege geschützt werden soll, die dort bisher noch nicht aufgetreten ist.
Immerhin sorgt aber der mäandernde Freizeit-Hausboot-Fluss Murray neben einem Streifen hellen Blaus auch noch für grüne Landschaft. Orangenbäume tragen reichlich Früchte. An unserem Tagesziel Renmark angekommen genießen wir die Abendsonne am Ufer. Sie glättet dann auch die Zornfalten auf meiner Stirn.


Tag 324/ Do 27.6.2019 /
(Cornelia) Das Frühstück können wir ebenfalls mit Blick auf den Fluss einnehmen – wenngleich es noch recht kühl ist. Insgesamt aber steigen die Temperaturen deutlich: Mittags im Outback liegen sie schon bei 21 Grad. Aber noch fahren wir immer wieder am Fluss Murray vorbei oder auf Brücken, die sich zu bestimmten Zeiten heben lassen, über ihn. Nach etwa 150 Kilometern erreichen wir Mildura, das sich den Erhalt seines historischen Erbes ganz offensichtlich etwas kosten lässt. Das schöne Wohnhaus des kalifornischen Visionärs Chaffey, der Mildura mit einem Bewässerungssystem zu reichen Obsternten verholfen hat, ist gut in Schuss, innen noch mit Originalmöbeln ausgestattet und liegt in gepflegtem Grün. Die neue Arts Gallery schmiegt sich an das alte Haus und bindet vergangenen Reichtum und neue Kunst aneinander. Die Fotoausstellung über Migrantenschicksale und ihre Beziehung zum Einwanderungsland Australien ist sehr berührend. Auch ein großes Mobile mit getragenen, in Garn verpackten Kleidern verstorbener Familienmitglieder ist eine interessante Idee.
Nun geht es ins richtige Outback. Rote Erde, ein paar Grasbüschel, Bäume und Baumleichen, ausgetrocknete Flüsse und Seen – so, wie man sich landläufig Australien vorstellt. Und es geht geradeaus… immer geradeaus. Wir hören Musik, um nicht schläfrig zu werden. Ein Schild zeigt, dass wir auf den nächsten 240(!!) Kilometern mit Kängurus zu rechnen haben; alle 40 bis 60 Kilometer wird die Botschaft wiederholt. Lebende sehen wir nicht, aber jede Menge tote Kängurus: Etwa alle 100 bis 150 Meter liegt eine Känguru-Leiche, mal mit Haut, mal nur Knochen, am rechten oder linken Straßenrand; die Dunkelziffer dürfte noch höher sein, weil ich nicht gleichzeitig auf beiden Seiten suchen kann. Manchmal sind sie ein Stück weggeschleudert… Allerdings ist unklar, in welchem Zeitraum die hohe Todesrate zustande kommt. Auffällig ist, dass viele Pkws und Lkws vor den Scheinwerfern zusätzliche Stoßstangen tragen, wohl um den Aufprall (für das Auto!) erträglicher zu machen. (In Canberra sind gerade wieder Kängurus zum Abschuss freigegeben worden, weil sie in zu großer Zahl die Stadt bevölkern – Aufschrei unter den Tierschützern!).
Wir sichern uns zuerst unseren Stellplatz im Tourist Park von Broken Hill, weil Übernachtungsmöglichkeiten mit ‚amenities‘ (Toiletten UND Duschen) Mangelware sind, und entdecken dann die deutlich protzige Architektur der Stadt, die um die Jahrhundertwende durch Silbererze, Zink und Blei reich wurde. Die Minen sind auch 130 Jahre nach der Erschließung noch in Betrieb. Im Jahr 1907 war Broken Hill nach Sydney die zweitgrößte Stadt von New South Wales! Das hat sich gravierend geändert, aber knapp 18.000 Einwohner sind es immer noch mit einem indigenen Anteil von 8,5% (wovon wir niemand sehen). Jetzt in der Abendstimmung liegt ein besonderer Lichtschimmer auf der Main Street, die hier stolz ‚Argent Street‘ heißt. In den Zwanzigerjahren gab es in der Stadt 69 Hotels; das beste am Platze nennt sich ‚Palace Hotel‘ und war ursprünglich als Kaffee-Palast konzipiert. Heute werden dort gute Steaks gebraten…


Tag 325/ Fr 28.6.2019 / Broken Hill
(Cornelia) Heute steht das Besucherzentrum des Royal Flying Doctor Service of Australia auf dem Programm. Harry und Meghan treffen wir nicht, sie waren schon im Oktober da… Da wurde diese tolle und lebensrettende Einrichtung 90 Jahre alt. Seit den Anfängen hat sie sich ganz schön entwickelt und besitzt über Australien verteilt mehrere Leitstellen und insgesamt 40 mit Druckkabinen ausgestattete Turbo-Prop-Flugzeuge, die sich ihre Landebahnen je nach Notruf auf Weiden oder, wenn es nicht anders geht, auch auf Highways suchen. Eine ganze Flugzeugmechaniker-Mannschaft arbeitet im Hintergrund. Im Flughafen von Broken Hill und andernorts muss vor Start oder Landung oft erst ein sogenannter Roo-Run stattfinden: Das Vertreiben etwaiger Kängurus mittels Geländewagen…
Eindringlich wird im Visitor Centre per Plakat, Foto, Film und Audiodokument dargestellt, wie riesig Australien ist, welche speziellen Probleme die ärztliche Behandlung im Outback birgt (Allgemeinärzte, Zahnärzte, Psychologen, Krankenschwestern sind weit weg stationiert, fliegen aber zu Sprechstunden ins Outback), wie die Versorgung mit Medikamenten funktioniert (3000 standardisierte Medikamenten-Boxen), dass man früher per Funk mit dem RFDS verbunden war, während heute die Notrufe per Telefon eingehen. Zur Beschreibung der Schmerzen ist der Körper des Menschen kartographiert, was die erste Ferndiagnose erleichtert. Entweder wird dann nur lokal behandelt oder aber man fliegt die Patienten nach Adelaide oder Sydney. In Broken Hill befindet sich neben dem Flugzeughangar auch ein Krankenhaus mit Ambulanz. Wir sind tief beeindruckt von der Einsatzbereitschaft der Flying Doctors und der ganzen Organisation; ein Drittel der Gelder muss über Spenden in die Kasse kommen. Immerhin finanziert der Staat den Rest und ehrt auch den Mann, der 1928 seine Vision von einem aeromedizinischen Dienst realisiert hat, den Methodisten-Reverend John Flynn, auf seiner 20-Dollar-Note.
Vom Flughafen fahren wir zum Line of Lode Miners Memorial, einem Aussichtspunkt mit Gedenkstätte für 900 bei der Arbeit in den Minen ums Leben gekommene Kumpel. Die letzten Plätze für die gravierten Glasplatten (Name, Todestag) sind noch frei… Hier überrascht uns, wie offensiv man mit der Abraumhalde umgeht: Gedenkstätte, Café und Restaurant befinden sich auf Geröll und Schlacken!
Von oben haben wir schon auf die Argent Street heruntergesehen, wo wir in Judiths Auftrag Winterstiefel (in Deutschland ist die Hitzewelle auf dem Höhepunkt…) besorgen: UGGs sollen es sein, mit echtem Merino-Lammfell! Mein Schwatz mit der netten Schuhverkäuferin ergibt, dass auch sie schon von den Flying Doctors nach Sydney geflogen worden ist, nach einem schweren Unfall als Elfjährige.
Silverton, eine Stadt, die aufgrund einer Silbererzader in den 1890er-Jahren geboomt hatte, wollen wir auch noch besuchen. 25 Kilometer rumpeln wir durch rote Landschaft und erkennen Ähnlichkeiten mit Argentinien: die Weite der Landschaft, den ausgefransten Straßenrand, ungeteerte Nebenstraßen. Neu ist, dass wir alle paar Kilometer durch ein trockenes Flussbett fahren. Silverton selbst hat noch ein Hotel (Interessenten können es kaufen!), ein paar Galerien, ein ehemaliges Schulhaus, das liebevoll eingerichtet ist (eine aktive Heritage-Gesellschaft ist am Werk) und mehrere Kirchen- und sonstige Ruinen. Der Friedhof ist auch heute noch in Betrieb, hat aber weitgehend historische Gräber. In der ‚guten, alten Zeit‘ ist man häufig sehr jung gestorben, stellen wir fest.
Zehn Kilometer weiter, am Umberumberka Resevoir, einem kleinen Stausee mit Wasser(!), ist gerade ein Filmteam am Drehen: einen Film über einen Jungen und einen Dingo. Auch Silverton ist eine gern genutzte Film-Location, z. B. von Mad Max II und ungefähr einem Dutzend weiterer Streifen, deren Titel uns allesamt nichts sagen.
Im Jahresmittel regnet es in Broken Hill 200 Millimeter; heute kommen ein paar Tröpfchen dazu, aber vermutlich verdunstet das Himmelsnass sofort, wenn es auf die warme Erdoberfläche kommt. Für die Nacht sind 13 Grad angesagt, tagsüber waren es 22.


Tag 326/ Sa 29.6.2019 / Cobar
(Cornelia) Was soll ich berichten? 500 Kilometer durch halbaride rote Landschaft, hier ein Busch, dort ein Baum, dazwischen halbhohes Gras, viel Sand und Hunderte toter Kängurus. (Inzwischen haben wir erfahren, dass sie sich gerne in der Nähe des Highways aufhalten, weil auf dem Asphalt Wasser kondensiert – Trinkwasser!) Manchmal steht das gestrige Regenwasser noch in kleinen Lachen (es gibt auch viele Warnschilder bezüglich möglicher Straßenüberflutungen), und irgendwie hat man den Eindruck, das Grün sei etwas frischer als am Vortag. Einbildung? In einem ziemlich trostlosen Café auf halber Strecke halten wir; fühlt sich ein bisschen an wie im falschen Film… Outback.
Am Campingplatz in Cobar ist offenbar gerade Rush hour, aber wir bekommen einen Platz zugewiesen und entspannen beim Sonnenuntergang. Später gibt‘s noch einen australischen Film von 2015 an Bord des Wohnmobils: „The Dressmaker“. Seine Einspielquote liegt auf Platz 11 der australischen Filmwirtschaft; er ist etwas skurril, aber oft auch witzig, und Kate Winslet als Schneiderin auf der Suche nach der Erlösung von einem Kindheitstrauma ist hübsch anzusehen. Landschaft, Dorf, Vogelgeräusche – alles entspricht 1:1 dem, was wir hier sehen.


Tag 327/ So 30.6.2019 / Cobar
(Cornelia) Tom hat kurzfristig die Reiseleitung übernommen und plädiert für einen vollen Tag in Cobar. Gut gemacht! Wir halten uns erst recht lange im Besucherzentrum auf, das einerseits die Sozialgeschichte des Ortes anschaulich darstellt, andererseits per Schautafeln und Video auch die Besonderheiten des örtlichen Gold-, Kupfer- und Zinkabbaus erklärt. Im Museumsgarten ist auch noch ein Waggon zu bewundern, der bis in die 60er-Jahre als rollendes Baby-Zentrum das Outback von New South Wales versorgte: Die Kinderkrankenschwester wohnte im Zug und empfing dort auch Patienten. Wie bei den Flying Doctors hatte ein Reverend die Notwendigkeit erkannt! Hinter dem Museum liegt auch noch der Zugang zur ersten Kupfermine Cobar, mit Pickel und Hacke Ende des 19. Jahrhunderts tief in den Boden gegraben; die Erzfunde bewirkten dann auch das temporäre Ansteigen der Bevölkerung auf 10.000 Einwohner (heute 3.500). Die ehemalige Grube ist mit Wasser vollgelaufen – angeblich soll dort ein Zirkuselefant abgesoffen sein… Moderne Mythenbildung, würde ich sagen – à la Spinne in der Yucca-Palme.
Sieben Kilometer außerhalb des Ortes gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man in die noch in Betrieb befindliche Goldmine hineinsehen kann. Millionen Tonnen wertloses Gestein mussten abgegraben werden (heutzutage natürlich mit Maschinen), damit die Transportfahrzeuge das Schachtsystem unter Tage überhaupt erreichen. Es gibt immer noch Goldadern, so dass die Mine rund um die Uhr an sieben Wochentagen arbeitet. Die Arbeit ist auch heutzutage noch schwer genug, und selbst vom Besucherausguck aus riecht die Luft etwas muffig und staubig. Hut ab vor den Kumpeln!
In einer weiteren Mine wird ebenfalls Gold abgebaut; wir sehen, hören, riechen das Zerschlagen des Fördergutes, seinen Transport auf einem Transportband und das Anlegen großer Vorratshaufen. Die Steinen ‚rieseln‘ vom Förderband nach unten und werden in weiteren Arbeitsprozessen mit Zyanidlösung besprüht, das die Erze löst, und später auf weiten Flächen getrocknet. Mehr kann man von dort aus nicht sehen. Es reicht aus, uns zu beeindrucken.
Die Erzgewinnung ist extrem wasserintensiv. Bevor es eine Wasserleitung nach Cobar gab (sie liegt gleich neben dem Highway), stand lediglich Wasser aus einem Reservoir zur Verfügung. War es alle, musste Wasser in größeren Tanks per Zug gebracht werden. Heute sieht das ‚Old Reservoire‘ fast wie ein kleiner See aus; das Wasser ist eher trüb und nimmt je nach Licht fast schon Lila-Töne an. Jedenfalls ist es schön dort und auch in der Sonne warm, so dass wir uns eine Zeit am Ufer niederlassen, lesen und Kraft sammeln für die nächsten 500 eher ‚reizarmen‘ Kilometer durchs Outback.


Tag 328/ Mo 1.7.2019 / Coonabarabran
(Cornelia) Während wir am Morgen bei 7 Grad frieren, sehen wir die australischen Nachbarn entweder schon wieder in kurzen Hosen (z. B. auf dem Weg in die Schule) oder gemütlich im Campingstuhl vor dem Wohnwagen ihren Kaffee schlürfen… Unglaublich!
Wir haben eigentlich 500 Kilometer vor, werden aber am Ende des Tages spontanen Ideen gefolgt sein und auf die letzten 100 verzichtet haben. Zunächst geht es durch lichten Wald, dann folgt Ackerland; danach sehen wir erst eine größere Anzahl Emus inmitten einer Schafherde stehen, dann rechts und links der Straße verlorene Baumwolle liegen, vermutlich vom Wind aus Erntewagen gefegt. Leider werden viele Glasflaschen achtlos aus dem Autofenster geworfen und verunzieren die Landschaft – da hätte ich von den Australiern mehr Respekt gegenüber der Natur erwartet! Viehweiden schließen sich an und schließlich erkennen wir in der Ferne einen gezackte Bergkette. Der Reiseführer bezeichnet den Warrumbundle National Park als den schönsten NSWs und ein Scenic Tourist Drive ist ebenfalls ausgeschildert. Bald schon haben wir von einem Lookout einen herrlichen Blick auf das Bergpanorama. Vom Visitor Centre aus, wo wir den Parkeintritt bezahlen, gibt es einen kleinen Rundweg mit allerlei Informationen zum vulkanischen Ursprung und zu Flora und Fauna. Koalas sehen wir nicht, aber viele Kängurus. Ein paar Ecken weiter gibt es noch einen Weg zu einem weiteren Ausguck, von dem aus wir den Bergen noch näher sind und auch wahrnehmen, dass der wohl verheerende Waldbrand von 2015 neuem Wachstum Platz gemacht hat.
Auf dem Weg zum Campingplatz in Coonabarabran fährt Tom noch einen kleinen Schlenkerer zum Siding Spring Observatory, das hauptsächlich von einer Universität zu Forschungszwecken genutzt wird. Wir wissen, dass es schon geschlossen ist, erhoffen aber einen schönen Blick westwärts zur untergehenden Sonne. Stattdessen sehen wir viele Kängurus, vor allem Mamas, deren Babys, hier Joeys genannt, neugierig aus dem Beutel lugen. So süß!!
Es ist schon dunkel, als wir in Coonabarabran eintreffen; unwissend, dass die Duschen mehr kaltes als warmes Wasser aufweisen, sind wir noch ganz guter Dinge.


 329/ Di 2.7.2019 / Narrabri
(Cornelia) Wie geplant fahren wir 27 Kilometer zurück zum größten Observatorium Australiens, das 2013 beinahe einem Buschbrand zum Opfer gefallen wäre. Im Museum gibt es viele Informationen auf großen Schautafeln und manches Spielzeug bzw. Hands-on-Experimente. Auch eine Holografie vom weltweit größten Oberservatorium in Chile – noch im Bau befindlich und bald mit gigantischen Spiegeln ausgestattet – ist hübsch anzusehen. Vieles übersteigt meine Chemiekenntnisse (Sprachlerin halt…) und natürlich fehlen mir auch die physikalischen Zusammenhänge, seufz. Immerhin kommen wir auch noch in den Genuss eines 3D-Films, der einen wirklich guten Einblick in den Weltraum gibt. Zur Abrundung darf man dann noch einen Blick auf die Apparatur im Inneren des Observatoriums werfen: Eine riesige Anlage. Insgesamt steht auf dem Hügel ein ganzes Dorf von Teleskopen, von denen einige per Fernbedienung gesteuert werden: Der (Hobby-)Astronom sitzt dann tagsüber nett mit einer Tasse Kaffee in Deutschland und erforscht den südlichen Sternenhimmel…
Nach einem kurzen Rundblick auf die schöne vulkanische Nationalpark-Landschaft begeben wir uns auf die Straße durch schier endlose Eukalyptuswälder und genießen den sonnigen Nachmittag auf dem Caravan-Park von Narrabri, hinter einem Flüsschen gelegen. Fußläufig lockt ein Restaurant namens „The Outback Shack“, dessen eine Innenwand die Main Street abbildet – early Western style – und dessen andere Wand vorgibt, zu einer Outback-Cowboy-Hütte zu gehören. Auch Plüsch-Tiere (Koala, Kakadu und Wombat) bevölkern die Szenerie. Dass es gleich in der Nähe des Campingplatzes ein Restaurant gibt, ist eher selten; meist sitzen wir ab dem Einbruch der Dunkelheit im WoMo – die Abwechslung heute Abend ist nett und bewahrt vor ‚WoMo-Koller‘…

Mobirise

Tag 330/ Mi 3.7.2019 / Goondiwindi
(Cornelia) Aufbruch von Narrabri zur üblichen Zeit; zum ersten Mal seit Wochen ist es schon in der Frühe angenehm warm. Die Silhouette am rechten Rand der Ebene, die wir durchqueren, Mt. Kaputa, ist vielversprechend – das müssen wir uns für ein andermal vormerken. Moree hätte eine Mineralquelle zu bieten, weil es in einem Becken mit artesischen Quellen liegt. Wir suchen aber einen Friseur, und finden im fünften Anlauf jemand, der für Tom Zeit hat. Interessant sind die Zeitschriften, die die Wartezeit verkürzen sollen: Neben der üblichen Regenbogenpresse (auch nicht anders als in Deutschland, nur andere Gesichter) gibt es je ein Heft über Caravaning, Fischen und Rodeo-Reiten. Aha, wir sind jetzt in Cowboy-Land – die Gegend nennt sich auch NSW Country. Moree sieht eigentlich ganz nett aus, hat einige hübsche Art-Deco-Straßenzüge.
Durch die nächste Ebene – mit abgeernteten Baumwollfeldern – gelangen wir nach Goondiwindi, wo auch ich spontan bei einer ‚Barberette‘ einen Friseurtermin bekomme. So günstig hat mir noch nie jemand die Haare geschnitten: Ich bezahle umgerechnet etwa 17 Euro und ernte von Tom ein „Siehst du, so geht es auch…!“ Der Caravan Park hat auch noch ein Schwimmbad (20 Grad) und einen Whirlpool (36 Grad), so dass wir bald erfrischt und blitzeblank vor dem Wohnmobil einen kühlen Weißwein genießen können.

Mobirise

Tag 331/ Do 4.7.2019 / Toowoomba
(Cornelia) Obwohl wir heute lediglich ein bisschen in Goondiwindi (Foto: Hotel Victoria) eingekauft haben und nur etwa 200 Kilometer – durch langweilige Ebenen mit geernteten Baumwollfeldern – gefahren sind, fühlen wir uns beide ziemlich müde. Deswegen gilt: Two to Toowoomba! Wir stehen wir schon um 15 Uhr auf unserem Stellplatz und kehren der 95.000-Einwohner-Stadt Toowomba den Rücken zu. Tom träumt noch ein wenig vom perfekten Wohnmobil…


Tag 332/ Fr 5.7.2019 / Woodford
(Cornelia) Eigentlich wollen wir zum Ravenbourne Nationalpark, machen aber eine echt australische Erfahrung: Die Straße führt noch an drei Steinbrüchen vorbei und geht danach in eine sogenannte unsealed road über. Die noch fehlenden 27 Kilometer könnte man mit dem eigenen Auto befahren, aber mit dem Miet-WoMo ist es nicht erlaubt. Also umdrehen. Was tun? Soll es da nicht noch eine Käserei in der Nähe geben? Richtig. Womit wir nicht rechnen: Auch diese Teerstraße geht in festgefahrene Erde und Sand über… Aber wir halten am Plan fest und erreichen schon nach drei Kilometern den Bauernhof. Die Schafe auf der Weide begrüßen uns freudig, die Besitzerin wenig später auch. Obwohl wir fest entschlossen sind, ihren Schafskäse in mehreren Varianten ungetestet zu kaufen, werden wir genötigt, wenigstens ein bisschen zu probieren und unser Urteil sofort abzugeben… fantastische Qualität! Seit fünf Jahren gibt es den Betrieb erst (Awassi Cheesery, weil die Schafrasse Awassi heißt und aus dem Irak stammt), auf dem Gelände einer ehemaligen Avocado-Farm; ein paar Bäume mit ihrem dunklen Laub stehen noch, aber es gibt zu wenig Wasser. Falls wir wiederkommen sollten: Man könnte dort auch mit dem WoMo übernachten… beim nächsten Mal dann!
Die Landschaft verändert sich, wird hügeliger, erinnert ein wenig ans Voralpenland, nur die Wellblech-Stadel sehen deutlich nach ‚Aussie‘ aus. Vulkanberge tauchen am Horizont auf (die „Glasshouse Mountains“, erfahren wir später), und wir nähern uns Woodford, etwas nördlich von Brisbane. Das Besondere an Woodford ist, dass unsere frühere Nachbarin Martina (jetzt nur noch Tina) dort mit ihrem Partner Frank lebt. Wir hatten über ihre Tochter – immer noch unsere Nachbarin zuhause – mit ihr Kontakt aufgenommen. Nun klappt es wirklich mit einer Stippvisite! Netterweise hat Tina einen richtig leckeren deutschen Kuchen gebacken! Wir erhalten einen kleinen Einblick in ihr Leben und sehen, dass es ihr in der neuen Heimat gut geht. In Woodford gibt es nur einen ‚Showground‘, so eine Art Kirmesplatz, keinen richtigen Campingplatz. Wir staunen sehr, dort an die 40 WoMos und Wohnwagen zu sehen! Als wir parken, regnet es so stark, dass die Wiese quietscht. Hm, eigentlich heißt die etwa 40 Kilometer entfernt liegende Küste ja „Sunshine Coast“… Wir sind ausnahmsweise etwas ratlos, in welche Richtung wir die Reise fortsetzen sollen und studieren Reiseführer und Prospekte. Außerdem sind in Victoria und New South Wales Schulferien – die hatten wir auch nicht auf dem Schirm… könnte also an der Küste eng werden mit Übernachtungsplätzen.

Ein formaler Hinweis: 

Entgegen dem Titel endet diese Seite hier, Brisbane haben wir umfahren.

Weiter geht es mit Teil 3 der Wohnmobilreise "von Brisbane nach Sydney"

Mobirise

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