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Australien: Der Westen


Tag 346/ Fr 19.7.2019 / Perth
(Cornelia) Am Morgen: Regen. Sehr ungewohnt; in New South Wales herrscht Wassermangel, aber hier im Westen hat es wohl in den letzten Tagen öfter geregnet. Unser Hotel liegt ganz in der Nähe der Autovermietung; es hellt auf und wir gehen zu Fuß hin und kehren mit einem blauen Hyundai wieder – dasselbe Modell, das wir in Sydney in gelb hatten. Schnell stellen wir fest, dass wir uns schon sehr an den Überblick im Campervan gewöhnt hatten; jetzt sitzen wir tief auf der Straße und müssen uns recken…!
Kaum haben wir das Parkhaus in CBD-Nähe verlassen, stehen wir schon vor einer Institution: 1929 haben griechische Brüder einen Gemischtwarenladen gegründet, der immer noch existiert und köstlich nach Tausendundeiner-Nacht duftet… Er stellt eine Mischung aus Kräuter- und Spezialitätenladen dar und versorgt gleichzeitig die Wholefood-Gemeinde mit Nüssen und Vollkorn-Getreiden, alles in großen Säcken oder Schubladen zum Abfüllen in beliebigen Mengen.
Am Yagan-Square, einem neu gestalteten Platz, lädt die Markthalle zum Verweilen ein. Die alte Beleuchtung, nämlich Lampen auf einem Fuß von vier schwarzen Schwänen mit roten Schnäbeln (ein Hinweis auf die Lage am Swan River), ist integriert. Neben der Markthalle hat jemand eine Eis-Skulptur geschnitzt, einen Seehund. Der Arme tropft schon… Hinter dem Yagan-Square steht eine alte edwardianische Häuserzeile noch fast im Original, danach folgen moderne hohe Bürogebäude und prallen auf kleinere Kirchen oder Warenhäuser aus der viktorianischen Zeit. Alle Menschen sind geschäftig unterwegs; Perth wirkt dynamisch, allerdings sehen wir auch mehr Bettler und Obdachlose als in anderen australischen Großstädten.
Eine Kirche lädt um 13 Uhr zum Freitagmittag-Konzert mit Flöte, Viola und Klavier. Wir genießen Musik von Bruch, Schostakowitsch und Mendelssohn. Mittlerweile regnet es mehr oder weniger in Strömen, so dass wir den Bell Tower nur von weitem betrachten und nach einem Cafébesuch (regenfrei…) in die Art Gallery of Western Australia flüchten, wo sehr schöne Indigenous Art ausgestellt ist und seit zehn Tagen eine Ausstellung mit dem Titel „The Botanical: Beauty and Peril.“ facettenreich Natur darstellt oder auch kommentiert. Wir sind von der westaustralischen Sammlung recht angetan.
Weiter geht‘s zur ‚Rush hour‘ - alles andere wäre ja langweilig und uncool – nach Freemantle, der am Meer gelegenen Schwesterstadt von Perth (weiter im Land an mehreren Schleifen des Swan River gelegen). Dort erwartet uns ein gedeckter Tisch im „Duke of George“, einem Jazz-Club, der sich in einer ehemaligen Bürstenfabrik etabliert hat. Eine fünfköpfige Altherren-Band spielt Chicago-Blues und heizt den Gästen mit ihrem Drive ordentlich ein; der Lead-Sänger spielt auch noch Saxofon und sehr virtuos verschiedene Mundharmonikas.


Tag 347/ Sa 20.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Viele Wege führen nach Geraldton. Im Visitorcentre in Perth hat man uns geraten, einen kleinen Umweg über New Norcia zu fahren; dort gebe es die einzige Klosterstadt Australiens, 1847 von Benediktinermönchen gegründet (vgl. Hl. Benedikt von Nursia). Das machen wir. Wie immer bei den Benediktinern kann man im Shop Klosterbier, Abbey Ale, erwerben und auch Honig. (Brot gäbe es auch, aber das haben wir schon am Streckenrand in Bindoon in einer vielgepriesenen Bakery gekauft.) Im Museum erfahren wir die Biografie des spanischen Klostergründers Rosendo Salvado, nach Australien eingewandert, um die Aborigines zu missionieren. Deswegen sind auch die Klostergebäude im spanischen Stil errichtet, mit Kloster- und zwei Schulgebäuden, Mühle, Olivenpresse und Hotel – ora et labora eben. Momentan leben noch elf Mönche in New Norcia. Aus den Schautafeln sind neben den enormen Anstrengungen der frühen Kolonisatoren, sowohl die spirituelle Gemeinschaft auf sichere finanzielle Beine zu stellen als auch die Missionierung durch Bildung und Katechismus voranzutreiben, auch mehrere Entschuldigungen herauszulesen: Einerseits bezüglich der ‚Stolen Generation‘, in zwei getrenntgeschlechtlichen Waisenhäusern untergebracht - denn auch hier wurden die Kinder mehr oder weniger den Eltern weggenommen, wenngleich es eingeschränkte Besuchsrechte gab – wie auch andererseits in Bezug auf Missbrauchsfälle. Daneben gibt es eine Sammlung sakraler Kunst von der Renaissance bis 2018 aus Europa und Australien. In der Klosterkirche, wie immer Ort der zahlreichen monastischen Gebetsstunden, finden sich in der Wandmalerei aus den 60er-Jahren auch zahlreiche australische Tiere und gar ein Astronaut gleich neben Jesus. Draußen üben sich lustige grasgrüne Papageien im Tiefflug.
Auf kleinen, fast leeren Straßen fahren wir weiter nach Nordwesten durchs sogenannte Wildflower Country: Westaustralien ist für seine Wildblumen bekannt, die von Ende Juli bis Mitte Oktober blühen sollen. Wo genau, erfährt man im Fremdenverkehrsamt. Wo wir fahren, gibt es zwar keine Blumen, aber die Wiesen sind quietschgrün – offenbar hat es hier schon viel geregnet. Dennoch sieht man auch oft die rote Erde durchschimmern; die Humusschicht scheint sehr dünn zu sein.
Wir halten noch einmal kurz bei einer sogenannten Homestead, also einem frühen Siedlerhaus an, perfekt von einer Historic Society renoviert. Außen um das Haus herum stehen allerlei Agrargerätschaften sowie auch verrostete Autos aus den 50er-Jahren, die sich im Nachmittagslicht und vor einem Regenbogen sehr malerisch ausnehmen.
Noch vor Sonnenuntergang sind die 450 Kilometer Landstraße geschafft, und wir beziehen unser Luxus-Quartier mit vier Schlafzimmern/Bädern, zwei Wohnzimmern, kompletter Küchenzeile (seit Jaca zum ersten Mal mit Backofen!!), Esszimmer, Terrasse und Garten. Wir geben gerne zu, dass das Raumangebot nach sieben Wochen Wohnmobil auch ganz schön ist. Am Abend sehen wir uns noch den australischen Kultfilm „Crocodile Dundee“ an und freuen uns über spezifisch Australisches in Sound (Vögel), Landschaft (das öde Dorf im Outback) und Sprache („No worries, mate!“). 


Tag 348/ So 21.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Langsam zeichnet sich ein Ende unseres wunderbaren Reisejahres ab, weswegen wir in Gedanken mehr und mehr Haus und Garten umgestalten. Imaginär geht das ja ganz leicht – hier reißen wir etwas ab, dort bauen wir Neues auf, und die Suche am PC und Handy nach Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten macht auch Spaß. Mal sehen, was dann daraus wird, wenn uns der Alltag wieder einholt…
So vergeht der sonnige und warme Vormittag (21 Grad) schnell. Ein kleiner Schwarm (schwarzer) Rabenkakadus (mit einer roten Binde am Schwanz) veranstaltet einen Höllenlarm. Am Nachmittag spazieren wir am Meer entlang – jetzt sind wir zum ersten Mal am Indischen Ozean. Wenige Wellen, keine Seehunde trotz Beobachtungsplattformen, aber die Bewegung an der frischen Seeluft tut trotzdem gut. 


Tag 349/ Mo 22.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Vormittags haben wir ‚frei‘ und am Nachmittag suchen wir zunächst das örtliche Gefängnis auf, längst nur noch ein ‚historic goal‘. Interessant sind die Schautafel über die Sträflingsverschickung im 19. Jahrhundert sowie ausgewählte Lebensläufe einiger ‚convicts‘, von denen manche zu angesehenen Bürgern in Amt und Würden mutierten, andere jedoch eine klassische Gefängniskarriere mit zahlreichen Vergehen, Verurteilungen, Strafen hinter sich brachten. Heute sind die ehemaligen Zellen weitgehend mit den Produkten lokaler Kunsthandwerker(innen) belegt, deren Inaugenscheinnahme sich für den Besucher beinahe als Strafe erweist…
Zum Sonnenuntergang gehen wir am Point Moore Beach spazieren, gleich neben dem höchsten Metall-Leuchtturm Australiens, in weiß-rotem Streifenmuster gestrichen. Ein Kitesurfer packt gerade zusammen, es riecht nach verrottenden Algen, weil noch Ebbe ist; Autos sind am Strand erlaubt, nasse Hunde tollen herum, manch ein Autofahrer lässt seinen Hund neben dem Auto herlaufen und spart sich selbst den mühsamen Spaziergang durch weichen Sand. Dennoch: Die Wolkenstimmung ist wunderschön!


Tag 350/ Di 23.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Etwa 25 Kilometer südlich von Geraldton gibt es einen kleinen Wildlife Park; dort soll es auch Dingos geben, die uns bislang in der freien Wildbahn noch nicht begegnet sind. Kaum ist der Eintritt bezahlt, ruft uns jemand penetrant „Hello“ entgegen – ein weißer Nacktaugen-Kakadu. Die Emus sind neugierig, na ja, oder vielleicht doch eher gierig nach Futter. Unsere Rascheltüte haben sie gleich entdeckt. Ruckartig fährt ihr Schnabel nach vorne. Das kleine Köpfchen mit den großen dunklen Augen sieht eigentlich hübsch aus, aber ihre Körper haben einfach nicht das richtige Verhältnis zu Kopf und dünnen Beinen. Die Kängurus sind ebenfalls an Menschen (und Futter) gewöhnt und fressen meist sanft von der flachen Hand; sie lassen sich streicheln und boxen schon mal eben schnell den Kollegen weg. Irgendwie erscheint ihr Kopf als eine Mischung aus Hase und Reh – wirklich süß! Manche Käfige wirken leer, bis… wir dann doch eine um einen Ast gewickelte Python entdecken… brrr. Auch beim Anblick des kleinen und großen Krokodils (ein sog. Saltie) schüttelt es mich. Gut, dass der Käfig zweifach gesichert ist! Und da ist dann auch noch ein Galah, der uns mehrfach freundlich „How are you doing?“ fragt und gleich selbst die Antwort gibt: „Right!“ Als wir gerade gehen wollen, heulen die beiden Dingos um die Wette; klingt schon sehr wolfsähnlich.
Wieder 30 Kilometer weiter südlich, in Dongara, fahren wir zum Fishermens‘ Lookout. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Mündung des Irwin River, den Hafen sowie den Ozean und (direkt vor uns) auf einen brütenden Weißbauch-Seeadler. Alle Cafés haben um 14.30 schon geschlossen (???), aber mit einer Rolle Arnotts Keksen und einem Eiskaffee aus dem Supermarkt lässt es sich auf einer Picknick-Bank direkt am Meer auch aushalten. Greenough, ein historisches Dorf auf dem Rückweg, hat auch schon geschlossen, aber im hübschen Museumsgarten sehen wir noch ein paar Gänse im sprichwörtlichen Gänsemarsch um durch ein angelehntes Gartentor promenieren.
Das Highlight des Tages befindet sich in unserem Ferienquartier: Ein Backofen! So lange schon musste ich ohne gebackene Gerichte auskommen…! Ich genieße jeden Handgriff und bald schon duftet es überall im Haus nach Gemüsequiche. 


Tag 351/ Mi 24.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Kurz vor 10 Uhr finden wir uns am Treffpunkt der „Live Lobster Tours“ ein; wir sind die einzigen Besucher und so kommen wir in den Genuss einer individuellen Tour durch einen der Angestellten, Marke ehemaliger Freak und Gelegenheitsjobber, der irgendwie in Geraldton kleben geblieben, zum Boss über die anderen Arbeiter aufgestiegen ist und jedes Jahr einmal urlaubshalber in die Schweiz fliegt, weil er die Sauber- und Pünktlichkeit der Alpenrepublik liebt und dort Freunde und eine zweite Familie gefunden hat.
Die größten und zahlungskräftigsten Abnehmer von ‚rock lobster‘ (Langusten) aus den hiesigen Gewässern sind Chinesen (98% der hier gefangenen Lobster gehen dorthin). Gerade eben hat ein Kühllastwagen mit sechs Tonnen Lobster (plus einer Tonne Wasser zur Beregnung) mit einem Warenwert von einer halben Million australischer Dollar den Betrieb verlassen. Auf dem Landweg geht es zum Flughafen von Perth, wo die Tiere mit ihren langen Fühlern und Beinen und dem kräftigen Schwanz umgepackt werden für den Flug nach China. Hier in Geraldton arbeiten 120 Fischer für die Brolos Kooperative auf ihren eigenen Schiffen, erhalten Köder (meist Fischchen aus Neuseeland) und liefern im Gegenzug ihren ‚crayfish‘ ab. Dann wird gewogen und nach Größen sortiert. Zwei lebende Exemplare dürfen wir aus nächster Nähe sehen, was sie gar nicht mögen, sich wehren und dabei heftig mit dem Schwanz schlagen. Das Wichtigste ist natürlich, die Tiere möglichst schonend und gesund zwischenzulagern und einen effizienten Weg vom Fanggrund bis zum Verbraucher aufzubauen. Offenbar sind die meisten Fischer sehr reich, aber auch Raubeine, die ihr Metier, oft schon in der dritten Generation in der Familie, lieben. Wir bedanken uns bei unserem Crayfish-Experten und nehmen im Shop noch ein Pfund frisch gekochte Prawns sowie zwei Langusten-Schwänze mit (ein paar Rezepte stehen online zur Auswahl).


Tag 352/ Do 25.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Die Gegend hier nennt sich „Wildflower Country“, angeblich blühen die Wildblumen von Juli bis Oktober. Im Fremdenverkehrsamt hat man uns aber schon gesagt, dass es noch zu früh ist. Wir machen uns trotzdem auf den Weg nach Mullewa.
Bevor wir Geraldton verlassen, besuchen wir noch die katholische Kathedrale aus den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts, ein nach außen imposantes Gebäude in eher traditioneller Kirchenbauweise, das innen aber mit seiner Farbgestaltung überrascht: Zebra-Look, könnte man fast sagen. Interessant ist auch, dass neben dem üblichen kleinen Taufbecken auch ein großes für die Ganzkörpertaufe in den Boden eingelassen ist.
Auf dem Highway 123 gibt es kaum Dörfer, weswegen wir die 100 Kilometer tatsächlich in einer Stunde schaffen, obwohl wir sogar noch einem Wegweiser zu einer Kirche folgen, deren Architekten, dem katholischen Reverend Hawes wir per Schautafel im Laufe des Tages noch ein weiteres Mal begegnen. Selten nur werden wir überholt. Längere Zeit fahren wir einem 60 Meter langen Road Train hinterher, der aus vier Sattelschleppern besteht, weil wir auf eine Überholspur warten – alles andere erscheint bei dieser Länge als zu riskant.
Mullewa ist zwar gepflegt und bemüht, seine Geschichte zu dokumentieren und den Ort mit ein paar Wandbildern aufzupeppen, wirkt aber insgesamt unglaublich verschlafen. Gerade noch vor Geschäftsschluss um 13.30 Uhr ergattern wir einen Kaffee im örtlichen Café. Danach fahren wir noch ein Stück in Richtung Nordosten – und siehe da, ein paar der gepriesenen wild flowers blühen doch schon. Aber natürlich sind es noch keine Blütenteppiche, wenngleich manchmal auch mehrere Exemplare derselben Sorte nebeneinander wachsen. Vielleicht haben wir weiter nördlich mehr Glück – am Samstag fahren wir ohnehin nach Kalbarri, etwa zweieinhalb Autostunden nördlicher als Geraldton. Aber schön bunt sind sie, vor den grünen Büschen und der roten Erde. Ein paar seltsam ausstaffierte Bäume erregen noch unsere Aufmerksamkeit und erinnern uns an andere Opferstätten am Wegesrand in Argentinien. Welchem Kult man hier huldigt, wissen wir nicht: in den Bäumen hängen Teddy-Bären und sonstige Knuddeltiere. Auch ein Aborigines-Dorf läge am Wegesrand, das wir aber nicht besuchen, weil wir nicht als neugierige Touristen wahrgenommen werden wollen. Insgesamt sehen wir aber im Landesinneren und überhaupt in Westaustralien mehr Aborigines als anderswo.
Auch die Kirche von Mullewa ist ein Werk des Priesters Hawes, der seine letzten Lebensjahre als Eremit auf den Bahamas verbrachte. Sogar eine Krippe in einer kleinen Grotte hat er gebaut und etliche Jahre später auch noch die Dorfschule. Leider müssen wir dieselbe Strecke zurück nach Geraldton fahren. Tom bereitet am Abend dann noch die beiden Langusten-Schwänze zu – für den Anfänger nicht so leicht zu zu verarbeiten (die Schale ist hart und scharfkantig), aber im Ergebnis sehr lecker! 


Tag 353/ Fr 26.7.2019 / Geraldton
(Cornelia) Heute haben wir uns zwei Museumsbesuche vorgenommen. Das Museum of Geraldton / Western Australian Museum und die Geraldton Regional Art Gallery; ersteres überrascht mit einer großen und interessanten Vielfalt von Themen (u. a. Aborigines, Siedler, Flora und Fauna, Schiffswracks und Meeresarchäologie), das andere punktet mit einer Wanderausstellung, die aber erst am Abend eröffnet wird.
Vor dem Besuch der Vernissage sind wir noch kurz am Ozean; gleich mehrere Schiffe werden heute im Hafen beladen, Weizen fliegt durch die Luft (Geraldton hat riesige Silos und eine richtige Kornkammer im Hinterland, hier Greater Geraldton genannt). Auch das große War Memorial auf dem Hügel oben sehen wir uns noch an: Die deutsche Marine (im Einsatz vor Australien???!!) hat das Schiff „HMAS Sydney“ 1941 abgeschossen und versenkt und mit dem Schiff 650 Besatzungsmitglieder. Alle Namen stehen auf einer Wand; eine Kuppel mit aus Metall gestanzten Möwen überwölbt einen Marmorkreis mit Inschrift, und daneben befindet sich ein Remembrance Fountain, in dessen Boden die geographischen Koordinaten der Stelle des Untergangs markiert sind. Dennoch soll der Brunnen das Wasser des Lebens symbolisieren; eine Taube/Möwe steigt aus ihm empor.
Die Vernissage gilt dem „National Photographic Portrait Prize“, der von der National Portrait Gallery als Wettbewerb konzipiert wurde: Von 3000 eingesendeten Fotografien wurden etwa ein Hundertstel ausgewählt, so dass nun 39 großformatige und sehr unterschiedliche Portraits mit privaten oder auch politischen Aussagen ausgestellt sind. Für einen freiwilligen Obolus erhält man die Fotos als schmales Bändchen – ein sehr schöner Service! Die Vernissage ist gut besucht, hat in etwa die Lautstärke eines Klassentreffens, während sich im Hintergrund eine Geigerin abmüht – die Ärmste, wie entwürdigend vor dieser Lärmkulisse! Häppchen werden gereicht, überraschenderweise meist Rucola oder Karotten in Stäbchenform, dazu Arnott‘s Cracker in mehreren Varianten und einige Dips. Aha, so macht man das in Australien… Im ersten Stock gibt es einige Videokunst, zwischen hübsch, witzig und unverständlich. 


Tag 354/ Sa 27.7.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Wir sind erst eine halbe Stunde unterwegs, da kommen wir schon bei der Oakabella Homestead an. Die Farm ist von 1860, die Scheune sowie den Schuppen zum Schafescheren, die Schafställe und allerlei verrostetes Gerät gibt es auch noch zu sehen. Der Blick geht in die grüne Weite; neben dem ‚Tea Room‘, den eine junge Familie seit eineinhalb Jahren betreibt, leckere Scones bäckt und auch Musik Events organisiert (der Band Stand ist stilgemäß auf einem alten Truck montiert), liegt ein Campingplatz. Diesen Ort müssen wir uns merken.
Northampton, 20 Kilometer weiter, steht fast ganz unter Denkmalschutz; wir merken es für die Rückfahrt vor und gehen nur einen kleinen Weg entlang der ehemaligen Eisenbahntrasse, die ein Gartenverein zur ‚Botanic line‘ gestaltet hat. Die ersten Büsche blühen bunt.
Das nächste Mal halten wir am ‚Pink Lake‘, eigentlich die Hutt Lagoon. Algen sorgen dafür, dass das Wasser pink erscheint. Rosa Wasser stört unsere Sehgewohnheiten empfindlich – wir sind einfach gewöhnt, dass Wasser blau oder grün, allenfalls braun ist. Aber pink…!! Sehr kurios!
Spontan folgen wir danach weiteren Wegweisern, die mehrere besondere Klippenabschnitte ausweisen: da gibt es den ‚Island Rock‘, ‚Castle Cove‘ und eine ‚Natural Bridge‘, alle aus Kalk- und Sandstein. Ein bisschen erinnern die Formationen an die Great Ocean Road; jene ist aber wegen ihrer Länge noch spektakulärer. Schön ist es aber allemal und ein Wanderweg zwischen den einzelnen sehenswerten Felsen gut ausgebaut. Tief unter uns der türkisblaue Ozean.
In Kalbarri erleben wir dann eine Überraschung: Weil wir eine Woche bleiben, haben wir einen Upgrade erhalten und nun ein ganzes Haus mit EG und OG plus Terrasse und Balkon für uns! Ach, wie schön! Wir haben sogar einen Durchblick zum Ozean, der uns zum Sonnenuntergang noch mal an sein Ufer lockt. Welch ein Paradies! 


Tag 355/ So 28.7.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Ein richtiger ‚Urlaubstag‘…! Kleine Erkundungsfahrt durch den Ort und zu zwei Stränden, Lesen und Musikhören am Pool, schließlich sogar noch Schwimmen im Pool (geschätzt 17 Grad, wir sind im hiesigen Winter!); zum Sonnenuntergang am Ozean, wo uns dann unbekannte junge Leute fotografieren und uns die Fotos schicken. Abends probieren wir frittierte Alligator-Stückchen, Damper (eine Art warmes Brot) und sehr feines, saftiges Steak vom Roten Känguru.

Mobirise

Tag 356/ Mo 29.7.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Bevor wir in den Kalbarri Nationalpark fahren, suchen wir noch das Visitor Centre auf, denn eine Straße scheint gesperrt zu sein. Ja, dem ist wirklich so, das erfahren wir schnell: Man baut dort einen Sky Walk über dem Fluss und derzeit wird der neue Parkplatz asphaltiert. Mit einem halben Ohr hören wir vom Schalter nebenan, dass heute Abend eine Sunset Cruise stattfindet – rasch entschlossen buchen wir sie.
So, auf geht‘s in den Kalbarri Nationalpark! 20 Kilometer führt die Straße durch Buschland auf roter Erde in den Park hinein – auf ‚sealed road‘ (asphaltiert), von Banksia begleitet, von denen einige gerade leuchtend orange-rote Kolben produzieren. Es gibt so viele Unterarten von Banksia, in die ich mich erst einarbeiten müsste, um sie richtig zu benennen. Sie ziehen jedenfalls bestimmte Insekten und Vögel an und sehen sehr dekorativ aus. Wenn sie verblüht und abgefressen sind (meist gibt es alle Zustände an ein und demselben Strauch oder Baum), werden aus den braunen Kolben mancher Sorten auch noch kunsthandwerkliche Dinge hergestellt. Eventuell landen sie auch auf deutschen Allerheiligen-Gestecken – ich meine, sie da auch schon gesehen zu haben. Momentan blüht auch der gelbe ‚wattle‘ (eine Akazie); und auch da passe ich, so viele Untersorten gibt es! Ein Meer aus gelben Blüten, im Moment besonders schön der ‚Sydney Golden Wattle‘. Wen wundert es, dass es in Australien auch mehrere Wattle Birds gibt: Jede Pflanze ist Wirt mehrerer Tiere.
Vom Parkplatz aus führt ein vierstündiger Weg, von dem wir natürlich nur einen geringen Bruchteil gehen, erst oben an der Klippe über dem Fluss Murchison entlang und dann unten am Flussbett. Wir bleiben oben und gehen zu „Nature‘s Window“, einem Fenster im roten Fels, der wie absichtlich geplättelt in verschiedenfarbigen Schichten übereinanderliegt. Durch das Fenster sieht man auf den Fluss, tief in die Landschaft eingegraben, jedoch derzeit mit wenig Wasser. Den paar Trauerschwänen genügt das Nass, für eine sanfte Spiegelung der Felsen reicht es auch. Ein paar Schritte weiter und wir sehen die ganze Flussschleife: Wunderschön! (Wie gut, nicht rot-grün-blind zu sein…!) Am linken Rand der Schleife wird hoch oben gerade der erwähnte Sky Walk gebaut, aber erst Ende des Jahres fertig sein. Wir sitzen eine Weile und bestaunen das Wunder der Natur. Bereits im Winter ist es hier ziemlich heiß, etwa 25 Grad, ohne Schatten; Warnschilder geben an, dass es in den Gorges, also der Murchison-Schlucht, im Sommer bis zu 50 Grad heiß werden kann und dort auch schon Wanderer an Hitzschlag gestorben sind… take care!
Pünktlich um 16.30 Uhr startet im Hafen unsere Sunset Cruise; eigentlich ist es ein Rock-Lobster-Boot, an dem seitlich klappbare Sitzbänke angebracht sind. Die enge Ausfahrt – vom Murchison ins offene Meer – kennt der Fischer im Schlaf; ich habe den Eindruck, er nimmt die Wellen extra so, dass die Touristen ein bisschen ins Kreischen kommen… In der Fachsprache spricht man von Dünung (oder Schwell > engl. Swell), die heute nur einen Meter hoch ist (und oft mehr erreichen kann); die eigentliche Welle bricht sich viel weiter draußen am Riff. Ein paar Strände vor Dünen mit spärlichem Grasbewuchs weiter hängen die ortsansässigen Surfer im Wasser. Das Boot hält so, dass wir direkt in die weiß-türkisfarbene Welle hineinsehen können – toll! Auf roten Sandsteinklippen stehen oder sitzen australische Naturburschen und angeln. Der Red Bluff heißt nicht umsonst so: Der Felsen leuchtet rot. Hier drehen wir um und sehen im Sonnenlicht die Wasserfontäne eines Wals. Kurz darauf begleitet uns eine Gruppe silbrig glänzender Tümmler. Und zu guter Letzt holt unser Fischer auch noch einen Käfig aus dem Wasser, in dem zwei größere Langusten sitzen. Haben wir ein Glück: Sunset Cruise bezahlt – und Whale-and-Dolphin-Spotting plus live rock lobster bekommen !!

Mobirise
Mobirise

Emily


(Cornelia) So manch einer hat sich vielleicht gewundert, was aus Louie geworden ist… Tatsächlich ist er von einer weiteren Reisebegleitung verdrängt worden, die sich in die Fotos geschlichen hat und ein kleines Mädchen bei Wiesbaden zum Freuen und Staunen gebracht hat. Ihre Oma, eine meiner ältesten Freundinnen – in diesem Dezember werden es sage und schreibe 45 Jahre…!!! - hat mir, in Rücksprache mit ihrer Enkelin Emily, das Püppchen Emily mit auf den Weg gegeben. Emily hat hat im Gegensatz zu Louie Hosentaschenformat, was sich als eindeutiger Platzvorteil herauskristallisierte. Der arme Louie führte daraufhin mehr oder weniger ein Schattendasein in meinem Koffer, darf aber immerhin noch ein paar Spalten im Blog anführen. Stellvertretend für viele Fotos für Emily sei hier Püppchen Emily an ‚Nature‘s Window‘ im Kalbarri Nationalpark ausgestellt.


Tag 357/ Di 30.7.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Am Ortsrand Kalbarris liegt der sogenannte Rainbow Jungle, ein Vogelpark (mit Labyrinth und Freiluftkino für die Kleinen). Wir erwarten uns nicht allzu viel und werden überrascht: Der Park hat nicht nur die üblichen Käfige, sondern eine riesige Voliere, in der uns kleine (australische) Zebrafinken vor der Nase herumfliegen und Papageien haarscharf an unseren Köpfen vorbei ihre Flugstunden absolvieren. Sie sind auch gar nicht kamerascheu. In den Käfigen sitzen auch große bunte Papageien vom Amazonas, aber auch die großen schwarzen einheimischen Kakadus mit gelben, roten oder weißen Schwanzfedern, und manch einer der gefiederten Gesellen schleudert uns sein „Hello!“ entgegen. Um die Käfige herum und in der Voliere viele Hecken, Pflanzen, Brunnen, Teiche mit Goldfischen oder im Murchison River heimischen Fischen und wunderschönen Seerosen. Die Zeit vergeht im Nu, und wir halten uns länger auf als gedacht.
Auch der Nachmittag am Pool vergeht schnell – und schon ist unser nächster Termin erreicht: In einer Stunde ist Sonnenuntergang! Wir fahren zwei Strände an und gehen schließlich durch niedrige, teilweise schon gelb und rot blühende Büsche zu zwei Aussichtspunkten am Red Bluff, jenem Felsen, den wir tags zuvor vom Boot aus leuchten sahen. Er diente jahrhundertelang den Schiffern als gut zu erkennende Seemarke. Der rote Sandstein erstrahlt auch heute im Licht der untergehenden Sonne, die weiße Kalksteinschicht ist nur an wenigen Stellen zu sehen. Und die Sonne versinkt als Feuerball im Meer. Eine halbe Stunde später glüht der Himmel immer noch…!


Tag 358/ Mi 31.7.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Seit 45 Jahren (!) werden in Kalbarri jeden Morgen um 8.45 Uhr Pelikane gefüttert. Vermutlich ist die Uhrzeit bereits in den Genen der hier lebenden Tiere abgespeichert, jedenfalls erscheinen pünktlich zur Fütterung (um 8.43 Uhr…) zwei Pelikane – fliegen, landen, schwimmen, watscheln zu dem Rund, in dem schon an die 40 Touristen warten. Einmal Schaulaufen, dann kommt eine ‚local lady‘ mit einem Eimer Fischchen zum Verfüttern: Das groß aufgerichtete Männchen vertreibt noch schnell das deutlich kleinere Weibchen und blitzschnell öffnet sich die Klappe, schwupps, ist das Fischlein aufgeschnappt und verschluckt. Wer möchte, darf Futter werfen.
Nachmittags am Strand… erst den Wellen zuhören, dann doch noch das kalte Nass ausprobieren… herrlich! Sonnenuntergang vom Balkon aus. Urlaub.


Tag 359/ Do 1.8.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Wieder ist der Himmel wolkenlos. Es zieht uns zu den Klippen, ein Rundweg von eineinhalb Stunden lockt. Wir steigen zum Rainbow Valley hinunter, vorbei an großartigen, bunt gestreiften und glatt geschliffenen Sandsteinfelsen. Eine andere Formation zeigt versteinerte Wurmlöcher – faszinierend! Unten donnern die Wellen gegen den Fels und sorgen für neue Deformationen durch die Kraft des Ozeans. Das Wasser erscheint heute besonders türkis-blau. Wir gehen zum sogenannten Mushroom-Felsen weiter; zwei Stein-Pilze sitzen auf der unteren Klippe – ja, könnte man für riesige Schwammerl halten…! Die Farben sind herrlich: Das Rot der Felsen und der einzelnen Steine, wild in der Bucht verstreut, dazu der Ozean und der Himmel.
In der nächsten Bucht, Pot Alley genannt, sind überraschend viele Leute (vorher waren wir alleine!); eine Frau sitzt im geöffneten Kofferraum und zeichnet. Sieht man nach links, so reiht sich eine Bucht an die nächste, mit tosendem Meer. Ein Traum!
Wieder ein paar Kilometer weiter führt der Weg an vielen Stauden der rot blühenden Murchison-Rose vorbei zur Eagle Gorge; allerdings bleiben wir oben beim Aussichtsbalkon stehen, anstatt zur kleinen Bucht hinunterzusteigen. Wieder eine neue Perspektive!
Später geht es noch einmal an ‚unseren‘ Strand angesagt; es gibt zwei überdachte Sitzbänke, die wir in Beschlag nehmen und variabel Sonne oder Schatten wählen können. Ein Pelikan watschelt den Strand entlang und baut sich ganz in der Nähe eines Fischers und seiner Frau auf, die beiden keine Sekunde aus den Augen lassend. Und tatsächlich, das geduldige, bisweilen leicht aufdringliche Warten lohnt sich: Ein Fischchen fliegt durch die Luft, das der Pelikan auffängt und gleich verschlingt. Wir haben den Eindruck, es ist einer der beiden vom Vortag, von der Pelikanfütterung: Er weiß nämlich ganz genau, dass sich das brave Abwarten lohnt.
Abends gehört der lokale Fisch uns: Octopus, Pink Snapper und Muscheln lassen wir uns im örtlichen Restaurant „Upstairs“ servieren: It‘s a delight!

Mobirise

Tag 360/ Fr 2.8.2019 / Kalbarri
(Cornelia) Nach dem gemütlichen Frühstück sitzen wir noch etwas auf der Terrasse und – wer biegt denn da um die Ecke? - bekommen Besuch: Ein Bobtail skink (Tannenzapfenechse) durchquert den Garten. Er ist harmlos, kann aber bis um die 40cm lang werden.  Am Mittag klettert das Thermometer auf 28 Grad, aber dank der Nähe zum Meer gibt es immer eine frische Brise, so dass wir unseren heutigen Klippenspaziergang unbedenklich auch in der größten Hitze machen können. Wir gehen ein Stück des Bigurda-Trails, in diesem Fall wirklich nur ein schmaler Weg über Sand und Stein zwischen den niedrigen Büschen auf den Klippen. Der Ozean ist heute besonders türkis und brandet mit Macht an die Klippen. Ich denke es und formuliere meinen Wunsch auch laut: „Wenn ich mir jetzt was wünschen dürfte, wäre es, noch mal einen Wal zu sehen!“ Und tatsächlich, kurz darauf sehen wir in der Ferne zweimal die Fontäne eines Wals – dann taucht er unter und ward nicht mehr gesehen.
Zum Sonnenuntergang fahren wir noch einmal zum ‚Red Bluff‘. Aha, am Freitag ist dort deutlich mehr los, sogar eine Schulklasse wartet darauf, dass die Sonne im Meer versinkt. Als der Himmel dann in der Nachglühphase ist, sind wir schon wieder fast alleine. Es duftet nach Sand und Pflanzen – sicher wissen viele, welchen Geruch ich meine.


Tag 361/ Sa 3.8.2019 / Cervantes
(Cornelia) Schnell ist das Auto beladen und schon sind wir die ersten auf dem Parkplatz beim Ross-Graham-Lookout. Ein rotes Känguru guckt uns, hoch aufgerichtet, eine Weile an, bevor es im Buschland verschwindet. An Sandsteinquadern vorbei, burgähnlich aufgestapelt, gehen wir mehrere Stufen zum Murchison River hinunter. Man hört Stromschnellen, sieht Spiegelungen. Aufgrund angeschwemmter Steine und losgerissener Büsche wissen wir, wie hoch das Wasser bei anhaltendem Regen steigen kann. Unten in der Schlucht ist die Temperatur oft zehn Grad wärmer als oben, weswegen überall Schilder aufgestellt sind, die vor Hitzschlag warnen und die Mitnahme von mindestens drei Liter Wasser pro Wanderer empfehlen. Zurück zum Auto und zum nächsten Ausguck, dem ‚Hawks Head‘. Wunderbare Felslandschaft im grünen Busch. Ein schöner Abschied vom Kalbarri Nationalpark, dessen Fluss- und Küstenfacetten wir in dieser Woche ausgiebig genossen haben.
Nächster Halt ist Northampton, das fast komplett unter Denkmalschutz steht; manche Gebäude stammen von 1885, die meisten aber von der Mitte der Zwanzigerjahre. Ja, nett – mit ganz normalem Alltag und etwas Wildwest-Charme. Kurz nach dem Ort nehmen wir einen ‚tourist scenic drive‘, d.h. eine kleinere Landstraße durch ein Nebental, das Chapman Valley. Schöne Landschaft mit kleinen Farmen, einem liebevoll ausgestatteten historischen Museum in Nanson (mit Autos, Traktoren und Eisenbahn, Möbeln und viel Krimskrams und allerlei technischem Gerät, das uns oft gar nicht so historisch vorkommt wie z. B. die gute IBM-Kugelkopfschreibmaschine – aber wir gehören ja auch schon fast zum ‚alten Eisen‘…). An der Ortsausfahrt kann man noch die malerische hölzerne Eisenbahnbrücke bewundern; die Eisenbahnlinie nach Geraldton wurde bereits in den 50er-Jahren wieder geschlossen, weil die Farmer zunehmend eigene Autos besaßen.
An Geraldton vorbei führt der Highway nach Greenough, wo wir das Historic Village besuchen. Mitten in grünen Wiesen mit neun braunen Alpakas stehen hier die alte Polizeiwache mit Gefängnis, eine katholische und eine anglikanische Kirche, mehrere Schulgebäude und zwei Cottages; alle Häuser können auch innen besichtigt werden und sind mehr oder weniger reichhaltig mit Alltagsgegenständen ausgestattet. Hübsch erhalten.
Kurz vor Green Head, am Indischen Ozean gelegen, regnet es, was uns wieder einmal zu einer einigermaßen sauberen Autoscheibe verhilft. Schon wollen wir auf den geplanten Spaziergang an drei Buchten entlang verzichten, als der Himmel sich aufhellt. Jaaa, ganz nett, diese Buchten, über einen ganz neuen betonierten Dünenweg zu erreichen, aber auch nicht soo umwerfend – wir sind jetzt einfach von Kalbarri verwöhnt…
In Cervantes (600 Einwohner) finden wir schnell unser Motel. Am Empfang sitzt eine junge Frau, deren Akzent mir verrät, dass ihre Muttersprache Französisch ist. Sie stammt aus Lyon und lebt seit vier Jahren in Australien. Im Restaurant bringt man die Reihenfolge der Bestellungen durcheinander, so dass mein Magen und meine Mundwinkel immer mehr nach unten hängen; das kann auch ein Gratis-Glas Wein nicht mehr ganz hinbiegen…


Tag 362/ So 4.8.2019 / Cervantes
(Cornelia) Die Wüste, genannt Pinnacles Desert, ist nach nur etwa 20 Kilometern Fahrt erreicht. Außer dem Visitor Centre mit ein paar Informationen zu Entstehung, Flora und Fauna wird ein beschilderter Fußweg angeboten oder eine markierte Fahrstraße. Wir gehen zu Fuß (ich habe ja meinen Pfadfinder dabei…). Die Pinnacles sind zapfen- bis baumstamm-ähnliche Kalksteingebilde, noch ‚jung‘ - man geht von etwa 6000 Jahren aus. Vermutlich handelt es sich um einen dereinst überschwemmten Wald, dessen Bäume im Lauf der Zeit durch viele Muschelschichten ersetzt wurden und so eine bestimmte Versteinerungsart verursachten. Heute sehen die Gebilde mal aus wie moderne Kunst, mal wie Saurierknochen, dann wie kleine Burgen; einmal wollen wir gar eine Maria mit Kind entdeckt haben… Die Steine sind meist ockerfarben und stehen auch im ockerfarbenen Sand, während die Dünen im Hintergrund aus schneeweißem Quarzsand bestehen. Zwischen den Pinnacles blüht es manchmal gelb, aber teilweise erheben sie sich auch vor grünen Büschen. Wegen der Wolken wechselt die Lichtstimmung ständig. Wir sind begeistert! Als wir den Nationalpark verlassen, ist der Parkplatz fast voll – wir wollen uns den Ort gar nicht im Sommer vorstellen…
Am Ort Jurien Bay vorbei fahren wir wieder etwas weiter nach Norden, bis die Straße zum Lesueur-Nationalpark abzweigt. Upps, nur noch rote Sandstraße, ‚unsealed‘. Nachdem uns aber acht Kilometer weiter eine 18,5-Kilometer-lange Bitumenstraße als Einbahnstraße durch den Park erwartet, rollen wir langsam weiter. In der Ferne läuft etwas geschäftig über die Straße, das sich beim näheren Hinsehen als Echydna, als Nasenigel, entpuppt, der sofort die Stacheln aufstellt und sich tot stellt, als er mich wahrnimmt. Wie ein stacheliges Kissen liegt er auf der Straße. Allerdings warte ich gerne ab, bis er die lange schmale Nase wieder teleskopartig ausfährt – damit hat er nicht gerechnet. Der hatte uns in der Sammlung der australischen Tierarten noch gefehlt!
Auf der Straße durch den Park informieren immer wieder Schautafeln in Parkbuchten über die Flora und so manche Pflanze sieht man in der Nähe wachsen. Der Lesueur-Park ist ein sogenannter Bio-diversity-hot-spot (einer von 25 auf der ganzen Welt), in dem über 900 Pflanzensorten wachsen. Tom hält mich an, nicht bei jeder zweiten Blume stehenzubleiben, obwohl ich weit weniger als die Hälfte fotografiere, höchstens ein Zwanzigstel. Die Farben und Formen sind einfach zu schön! Weiter hinten im Park, der übrigens nach dem französischen Naturforscher Lesueur benannt ist, der 1801 im Auftrag Frankreichs die Teile Australiens erforschen durfte, die James Cook ausgelassen hatte, gehen wir einen Rundweg, der schöne Ausblicke auf die Berge ringsum bietet (alle nach Franzosen benannt: Peron, Michaud und eben Lesueur). Eine unglaubliche Stille umfängt uns, nur belebt von verschiedenen Vogelrufen. Das zweite Highlight des Tages!
In Jurien Bay finden wir nicht nur ein Mittagessen, sondern auch eine malerische alte und eine praktische neue Jetty (Mole). Der Ort ist hübsch angelegt, kommt aber weder an Geraldtons Belebtheit noch an Kalbarris Schönheit heran.
Im Ort Cervantes halten wir noch kurz am Lake Thetis, bekannt als einer von wenigen Plätzen in Western Australia (und auf der Welt?), wo man Stromboliten und Thromboliten bewundern kann. Ach, auch noch nie gehört? Es handelt sich um kreisförmige Versteinerungen, die von Bakterien gebildet werden, denen Wasser gar nicht salzig genug sein kann. Weil ich von Chemie keine Ahnung habe (bin ja Sprachlerin und interessiere mich allenfalls für Bio-Ethik), hüte ich mich davor, den Vorgang genauer zu erklären. Tom findet die runden Dinger unspektakulär, ich freue mich zumindest, so etwas mal gesehen zu haben. Und ein paar Kormorane sind der Meinung, dass man sich darauf gut niederlassen kann.
Der Plan, die Pinnacles im Sonnenuntergang leuchten zu sehen, geht leider nicht auf: Der Himmel ist zunehmend bewölkt. Vor dem Strand von Cervantes liegen die typischen Lobster-Boote vor Anker, aber es muffelt nach verrottendem Seegras, weshalb wir dem Meeresufer schnell den Rücken kehren und unsere Nasen entlasten.

Mobirise

Tag 363/ Mo 5.8.2019 / Fremantle
(Cornelia) Tom hat sich einen kurzen, aber heftigen Platzregen gewünscht, der den roten Staub vom Auto wäscht. Petrus hat das anscheinend gründlich missverstanden: Es regnet heftig, aber lange anhaltend. Mist…! Zur Kaffeepause in Lancelin, einem Ort am Meer an der Turquoise Coast, wo es mal etwas weniger nach verrottendem Tang riecht, klart es kurz auf. Dann schüttet es bis kurz vor Perth. Weil der Himmel blaue Stellen zeigt, beschließen wir, doch in den Botanischen Garten/ Kings Park zu gehen. FEHLER: Kaum sind wir losmarschiert, gießt es wie aus Eimern. Ja, sicher, wir wollten schon längst wissen, ob die Regenjacken auch wirklich dicht sind. Sind sie. Die Hosen allerdings kleben an den Beinen…
Als Ersatzprogramm besuchen wir das Fremantle Arts Centre, das ohnehin auf dem Weg zum Hotel liegt. Das Canvas Café liegt idyllisch im Garten des historischen Gebäudes (Neogotik, früher die örtliche Irrenanstalt), die Ausstellungen selbst sind aber allenfalls ganz nett, wenngleich eher nichtssagend.
Unser Hotel ist 1850 erbaut und sieht nach außen hin noch recht original aus, hat auch noch einen Lichthof innen, ist aber ansonsten auf heutigem Standard. Fremantle (und auch unser Hotel) ist mit Hilfe von Strafgefangenen gebaut, wie auch Perth, die ehemalige Swan River Colony. ‚Freo‘, wie Fremantle im Jargon der Einheimischen genannt wird, sieht auch nachts recht hübsch aus: Viele viktorianische und edwardianische Gebäude.


Tag 364/ Di 6.8.2019 / Fremantle
(Cornelia) Das Fremantle Prison ist die einzige UNESCO Weltkulturerbestätte Westaustraliens. Wir nehmen an zwei Führungen teil, die eine über den Gefängnisalltag im Hochsicherheitsgefängnis, das 1991 geschlossen wurde, die andere über die Sträflinge, die Großbritannien zwischen 1850 und 1868 reichlich in die neue Kolonie am Swan River geschickt hat: über 10.000 Mann. Wohl und Wehe, will heißen Möglichkeiten innerhalb des Gefängnisses hingen wohl stark vom jeweiligen Gefängnisdirektor und seinen Überzeugungen ab; so setzte der eine auf Sport, ein anderer auf Lesen, ein dritter auf Religion. Allen gemeinsam war die Beschäftigung der Gefangenen mit Arbeit. Die erste Zwangsarbeit bestand darin, aus dem Kalksteinhügel, auf dem sich heute das imposante Gebäude für 1000 Inhaftierte erhebt, Steinquader zum Gefängnisbau herauszubrechen. Auch die Wohnhäuser für die Gefängnisleitung und den Arzt sowie die Steinhäuser der Aufseher wurden von den Gefangenen gebaut. Bei guter Führung konnte die Strafe gekürzt oder bei schlechter Führung in Aufenthalt in Dunkelzellen oder in eine ‚Diät‘ von Wasser und Brot verwandelt werden. Eine andere Strafe war Auspeitschen mit bis zu 100 Schlägen, wobei nach 25 bereits der ganze Rücken blutete; zur Vermeidung von Infektionen musste sich der Gezüchtigte in Salz wälzen, bevor er sich auf der Krankenstation so lange erholen durfte, bis er stark genug war, die nächste Portion Schläge abzuholen. Die letzte Todesstrafe wurde in WA 1964 vollzogen (Tod durch den Strang), in Australien aber offiziell erst 1987 abgeschafft. Die Enge der Zellen der frühen Zeit (Einzelzellen mit Hängematte und einem am Boden festgeschraubten eisernen Hocker) weicht in den 60er-Jahren einer Doppelzelle mit Stockbett und verschiebbaren Stühlen, aber bis zur Schließung mussten die Inhaftierten ohne Toilette auskommen – es gab nur einen Eimer (immerhin mit Deckel). Mehrere Zellen wurden entsprechend der jeweiligen Zeit restauriert; so kann man die Veränderung der Zellen verfolgen. Auch andere Teile des Gefängnisses mussten vor der Anerkennung als Weltkulturerbe zurückgebaut werden, um einen einigermaßen authentischen Eindruck zu erwecken, da sie zuvor anderweitig genutzt wurden (als Hostel zum Beispiel).
Nach knapp drei Stunden im Fremantle Prison verlassen wir diesen sinistren Ort gerne wieder und schlendern durch den hübschen Ort mit seinen schmiedeeisernen Balkonen und verzierten Fassaden. Direkt am Stadtstrand findet sich ein Beach-Café, wo wir zusehen, wie ein paar Tische weiter Gäste fast von gierigen Möwen angegriffen werden und ihren Pommes-Teller selbst mit großem Körpereinsatz kaum verteidigen können. Hier am Hafen befinden sich auch ein paar große Fisch-Restaurants. Unser Hotel liegt unweit davon; früher stand daneben eine Lagerhalle als Art Erstunterkunft für ankommende Sträflinge. Im Fremantle Prison waren übrigens nur Weiße untergebracht, während die Aborigines-Häftlinge alle per Schiff auf die nahe gelegene Rottnest Island transportiert werden; die 14 x 4 Kilometer große Insel, genannt ‚Rotto‘, liegt in Sichtweite vor ‚Freo‘.


Tag 365/ Mi 7.8.2019 / Fremantle
(Cornelia) Der Himmel ist blau, die Regenwahrscheinlichkeit gering… Zweiter Versuch: Botanischer Garten / Kings Garden von Perth. Frischluft zu atmen, bevor wir morgen am Flughafen und im Flugzeug sitzen, das ist der eine Aspekt; Abschied zu nehmen von den australischen Pflanzen ist der andere. Besonders freut uns, dass wir die ‚Kangaroo Paw‘, die Känguru-Pfote, in allen möglichen Farbstellungen bewundern dürfen: in Grün-Rot, Gelb, Fuchsia und Schwarz-Gelb, mit sehr haarigem Stengel und ausdrucksvoller Blüte. Die Akazien (800 Sorten in ganz Australien) stehen in gelber Blüte und wir lernen noch einige weitere Banksia-Arten kennen. Lottery West hat einen Baumwipfelpfad spendiert, auch schön, und an vielen Punkten hat man Ausblicke auf Perth. Einige Vögel kreuzen über uns und selbst der Kookaburra lacht noch einmal schallend zu unserem Abschied, kurz bevor wir den herrlichen Park verlassen.
Zurück in Fremantle bummeln wir noch einmal durch die Innenstadt, packen wieder einmal die Koffer, leicht wehmütig beim Gedanken, dass wir morgen Australien verlassen. Unser Visum wäre doch noch eine Woche gültig gewesen…!
Am Abend verzehren wir genüsslich eine Seafood Platter für zwei und begehen damit das volle Reisejahr (Tag 365!).

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