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Australien: Sydney


Tag 284 / Sa 18.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Mit dem Express-Bus geht es vom Vorort Narrabeen knapp 30 Kilometer an Lagunen, Stränden, Villen, Einkaufszentren und einem Yachthafen vorbei sowie schließlich direkt über die berühmte Harbour Bridge ins Stadtzentrum von Sydney. Wir kommen an der Endstation Wynyard Station an und staunen: Hier gibt es riesige alte Bäume (aha, so alte Bäume sind in Europa auch in den Kriegen untergegangen…) und seltsame 70 Zentimeter große weiße Vögel mit ein paar schwarzen Schwanzfedern und einem langen spitzen, am Ende leicht gebogenem schwarzen Schnabel: Australian White Ibis. Manche Leute sitzen mit den Vögel auf Du und Du auf einer Bank. (Später lese ich im Netz, dass die Tiere als ‚pest‘ gelten und ein ‚bad behaviour‘ in den Städten entwickelt haben.)
Das Nebeneinander von niedrigen historischen Gebäuden aus der Zeit um 1870, etwas klotzigeren aus den 30er-Jahren und den modernen Wolkenkratzern sticht sofort ins Auge. Nachdem uns zwei Einheimische Darling Harbour als ihren Lieblingsort genannt haben, ist er unser erstes Ziel: Eine Restaurant-Zone mit Uferpromenade, auch einige Restaurantboote liegen vor Anker, ein Aquarium, ein Zoo, Madame Tussaud‘s… die üblichen Touristenattraktionen, die wir gerne links liegen lassen. Beeindruckend sind aber die alte Drehbrücke über den Hafen und die Skyline des Viertels hinter dem Hafen.
Auch das Kongresszentrum liegt am Hafen. Auffallend ist, dass die Plätze sehr großzügig gestaltet sind: mit ausladenden Brunnen-Zonen, Kinderspielplätzen, dem Chinese Garden mit Koi-Becken. Wir durchstreifen das relativ kompakte China-Town und auch eine dreistöckige alte Markthalle: unten gibt es China-Ramsch, im ersten Stock viele ordentliche Geschäfte, im zweiten verschiedenen Restaurants, durchaus gut riechend, aber für unseren Geschmack doch etwas zu offen gestaltet. Schließlich finden wir noch ein Restaurant, in dem wir uns bei schmackhafter Ente behauster fühlen.
Um 20.30 Uhr soll es am Darling Harbour (wie jeden Samstag!) ein Feuerwerk geben. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Eine patrouillierende Sicherheitskraft frage ich nach dem besten Standpunkt; wie sich herausstellt, ist ihr Tipp goldrichtig: Wir haben das Feuerwerk genau vor uns, vor nachtblauem Himmel, während die Hochhäuser rechts und links des Hafenbeckens glitzern und jeden Kanonenschlag mehrfach reflektieren. Und was für ein Feuerwerk – vom Feinsten!!! Mal sehen, ob wir uns dieses kostenlose Angebot der Stadt kommenden Samstag noch einmal gönnen...

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Rückblende:
Tag 282 / Do 16.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Ich springe vom Samstag auf den Donnerstag zurück, unseren Flugtag (norddeutsches Wortspiel: unser Fluch-Tach…). Zunächst alles prima: Start, Film, Essen, Landung, Erwerb der neuen Telefonkarte, Anruf beim Autoverleiher, Shuttle dorthin, Autoübernahme. Eine gute Stunde brauchen wir im Berufsverkehr quer durch die Stadt, bis wir in Warwick Farm, wo die Ferienwohnung liegt, ankommen. Der Schlüssel liegt in der Schlüsselbox am Gartenzaun, das Gebäude selbst liegt an einem Highway (so etwa wie der Mittlere Ring in München… also, na ja, nicht so toll…); das Treppenhaus sieht schäbig aus, aber wir wollen ja nicht im Treppenhaus wohnen. Auf den ersten Blick entspricht die Wohnung den Fotos im Internet. Die Lamellenvorhänge sind zugezogen, es ist ja auch schon Nacht. Die Belüftung erfolgt über eine Klimaanlage.
Später komme ich auf die – zugegebenermaßen seltsame - Idee, die Balkontüre zu öffnen, um Frischluft in die Wohnung zu lassen. Im Augenwinkel sehe ich eine Bewegung. Der Boden sieht seltsam aus… Ich kann das Muster nicht gleich einordnen… Nein, das gibt es doch nicht…!!!! Der Boden ist mit einer dicken Schicht Taubenkot bedeckt!!! Igitt – es schüttelt mich! Drei Tauben sitzen bewegungslos auf zwei an der Decke aufgehängten Deko-Buchsbäumen, zwei flattern von links ein, weitere sitzen auf einem Schrank. Auch das Klimagerät ist übersät mit Taubenkot!! Ich schließe die Türe schnell wieder und berichte Tom mit bebender Stimme von den ungeheuerlichen Zuständen auf dem Balkon. Bäh, um Fotos aufzunehmen, muss ich mich den Tauben noch einmal widmen…!! Würg!!
Sprachlosigkeit, Wut und Ärger, schließlich wollten wir hier 14 Tage bleiben, es geht also neben unserer Gesundheit auch um ein nettes Sümmchen Geld. Wir senden eine Nachricht an die Vermieterin („What about the animals on your balcony?“) und lesen die Regeln für eine Rückerstattung: Für Airbnb ist es wichtig, dass man sich fair verhält, d.h. man muss erst mal den Vermieter informieren und ihm die Chance geben, angemessen zu reagieren. Unsere Vermieterin reagiert z. T. gar nicht oder zeigt lasche Reaktionen mit schwammigen Angaben… Stunden später: Sie stammelt etwas von „very sorry“ und „in process of finding a solution“; unseren Vorschlag, eine Nacht zu bezahlen, die anderen rückerstattet zu bekommen, beantwortet sie ablehnend. Im Vergleich mit dem Inserat stellen fest, dass auch die versprochene Spülmaschine fehlt, das WiFi nicht funktioniert und weitere der genannten Ausstattungsgegenstände fehlen.
Im Moment bleibt uns nichts anderes, als die Nacht hier zu verbringen. Hm. Prophylaktisch suche ich schon mal nach einem Ausweichquartier für denselben Zeitraum – und bin beruhigt: von den 21 Angeboten, die meinen Suchkriterien entsprechen, könnten drei tatsächlich in Frage kommen… Leider reicht diese Aussicht nicht aus, um mich ruhig schlafen zu lassen: Mitten in der Nacht schreibe ich die Beschwerdepunkte zusammen und betone vor allem das Gesundheitsrisiko durch die Klimaanlage mitten im Taubenmist. 

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Tag 283 / Fr 17.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Am nächsten Morgen fotografiere ich die blöden, gurrenden Viecher noch einmal bei Tageslicht (WÜRG) und wir senden das Reklamationsschreiben plus Fotos an den Kundendienst von Airbnb. Wir buchen eines der drei Quartiere, packen schnell zusammen… Nichts wie raus aus der Wohnung, raus aus dem Albtraum… Frischluft. UFF!!
In mehr als einer Stunde Fahrt durchqueren wir Sydney; Narrabeen liegt im Norden, das Häuschen, eine Art ‚cabin‘ neben dem Haupthaus einer jungen Familie, nicht weit vom Meer. Nach dem ersten Kennenlernen des Vermieters erzählen wir unsere Flucht aus dem Tauben-Haus; er ergänzt unsere Erfahrung um sein Erlebnis mit Termiten im Bett. Auch eklig, das kann man leicht nachvollziehen. Airbnb habe damals die Miete rückerstattet.
Nicht weit von der Wohnung gibt es ein großes Einkaufszentrum. Nach dem Lebensmitteleinkauf ist das Bedürfnis nach frischer Luft immer noch groß – auf zum Strand! Sonne, Weite, goldgelber Sand vor blauem Meer. Langsam stellt sich Erleichterung ein… 

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Narrabeen Beach

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Tag 285 / So 19.5.2019 / Sydney
(Cornelia) In Narrabeen nehmen wir wieder den gelben Doppeldecker der B-Line und bewegen uns Richtung Circular Quay, wo es für viele verschiedene Fähren neun Kais mit insgesamt 38 Anlegeplätzen gibt: Ein Gewimmel…! Mit Hunderten anderer Menschen bewegen wir uns in Richtung Sydney Opera House, dessen kühner Entwurf des dänischen Architekten Jorn Utzon aus dem Jahr 1957 zeitlos schön und visionär großzügig geplant ist. Utzon hat den Bau entworfen, ohne vorher in Sydney gewesen zu sein; inspiriert von den Treppen zu den Pyramiden in Mexiko sollte das Gebäude seine Besucher erheben (200 Treppenstufen…) und seine extravagante Form erinnert an geblähte Segel, die gut zu den benachbarten Häfen passen. In fünf Konzert- und Theatersälen jagen sich in dem seit 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Gebäude die Veranstaltungen. Wie beim Hamburger Elphi-Bau überstiegen die tatsächlichen Baukosten die ursprünglich angenommene Bausumme um ein Vielfaches; aus politischen Gründen kam es sogar zu einem dreijährigen kompletten Baustillstand. 1973 wurde das Opera House schließlich eröffnet und ist nach knapp 50 Jahren immer noch unglaublich modern.
Nach einer sehr angenehm humorvollen Führung bleibt uns noch Zeit für einen Kaffee vor einem Einführungsvortrag zu den Komponisten des Konzerts, das Tom von Moorea aus gebucht hat: Ein Auftritt des bekannten (Jazz-)Saxofonisten Branford Marsalis (für Kenner: er ist der Bruder des Trompeters Wynton Marsalis) und dem Australia Chamber Orchestra, unter der Leitung einer jungen Finnin. Jedes Musikstück hat mit TANGO zu tun; am schwungvollsten sind natürlich die Piazolla-Kompositionen, aber auch Villa-Lobos geht ins Ohr. Vom samtigen Ton Branfords können wir nur träumen…! Wunderbar!


Tag 286 / Mo 20.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Ruhetag: Ausschlafen, Faulenzen, Recherche für Unternehmungen, an einer Klippe in der Nähe spazieren gehen, Gleitschirmfliegern zusehen (wohl dem Traum vom Fliegen am nächsten), noch einmal Einkaufen. 


Tag 287 / Di 21.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Wie gesagt: Sydneys Stadtgebiet ist riesig. Dass es aber groß genug ist, um auch noch einen Nationalpark einzuschließen, erstaunt uns. Der Weg dorthin führt einige Zeit durch eine hübsche Villengegend mit gepflegten Gärten; obwohl es Herbst ist, blühen viele Sträucher und Büsche: Weihnachtssterne, Bougainvilleen erkenne ich, andere in orange, rosa oder weiß kann ich nicht benennen. Plötzlich und vollkommen übergangslos stehen wir vor dem Ranger-Häuschen und werden um 12 Dollar Eintritt für den Ku-ring-gai National Park erleichtert; danach nur noch Natur, also Busch.
Auf schmaler, sich schlängelnder Straße erreichen wir ein paar Minuten später das Bobbin Head Information Centre, wo sich gleich eine Rangerin unserer annimmt. OK, alles klar, wir machen den Gibberagong Boardwalk, der zunächst durch einen Mangrovenwald am Flussufer entlang führt. Bislang sahen wir Mangroven nur vom Boot aus, jetzt sind wir auf einem hölzernen Steg mittendrin und sehen vor allem verschiedene Krebse in grün, orange und grau-weiß. Die meisten schaufeln gerade mit ihren Zangen Nahrung ins Maul, so als ob sie zwei Löffel in der Hand hätten. Ziemlich unheimlich sehen sie aus, wenn man sie von nahem betrachtet – sie könnten die Vorlage für Horrorgesichter in einem entsprechenden Film abgeben…! Fühlen sie sich bedroht, verschwinden sie im Nullkommanichts in eines der umliegenden Löcher. (Muscheln und Austern gibt es auch, sie sind aber weniger spektakulär anzusehen.) Zwischen Felsblöcken steigen wir ein bisschen auf und sehen ein erstes ‚Aborigine-Engraving‘, eine Felsgravur (Petroglyphe), mit menschlichem Umriss. Im Regenwald angekommen, kehren wir um – es ist kein Rundweg. Zurück auf dem Parkplatz sehen wir einige Maskenkiebitze herumstaksen.
Nächstes Ziel ist das Kalkari Discovery Centre, das über Flora und Fauna informiert. Viele Bäume sind beschildert, in der Hauptsache verschiedene Eukalyptus-Arten mit roter und grauer Rinde. Manchmal sieht man fast schriftartige Zeichnungen, die Mottenlarven unter der Rinde 'geschrieben' haben. Das Licht ist gerade etwas fahl (Smog über Sydney, erfahren wir ein Tag später), versetzt aber den Park in eine magische Stimmung. Die ‚versprochenen‘ Emus und Wallabys sehen wir nicht, vielleicht haben sie heute frei und laufen gerade ganz woanders herum.


Tag 288 / Mi 22.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Der Express-Bus bringt uns am Nachmittag in die Stadt: Viel Verkehr trotz sechs Fahrspuren. Ein paar schnelle Fotos aus dem Bus demonstrieren die Eindrücke: das Kino aus den 30er-Jahren in Collaroy, der Blick Richtung Manly und auf den Yachthafen, das Opernhaus und die Harbour-Bridge. Ziel ist das Museum of Contemporary Art, in Fährhafen- und Opernhaus-Nähe gelegen. Der Blick vom Terrassencafé im vierten Stock ist umwerfend! Vor und nach dem Museumsbesuch genießen wir ihn; in der Dämmerung wird die Beleuchtung für das „Vivid“-Licht- und Musik-Festival ausprobiert, das in zwei Tagen beginnt.
Der dritte Stock des Museums ist der ‚Australian Art‘ gewidmet, und hier sehen wir berührende Objekte, Videos und Installationen. Besonders beeindruckt uns das farbenfrohe Werk eines Aborigine-Kollektivs, dessen ausschließlich weibliche Mitglieder alle um die 80 Jahre alt sind. Sie ziehen oder tupfen farbenfrohe Linien und erzählen damit ihre Geschichte(n). In den unteren Stockwerken ist manches ganz nett, manches belanglos, vieles aber auch kreativ und ansprechend.
Letzter Programmpunkt ist der Besuch des Jazz-Clubs „Foundry 616“, zu dem wir das Stadtzentrum mit Bahn und zu Fuß an der Central Station - mit zwei Suppenküchen und vielen ‚homeless people‘ - vorbei durchqueren. Der Club liegt gleich neben der ABC, der Australian Broadcasting Corporation, und Steve Clisby mit seiner Band (p, g, b, dr) unterhält uns vom Klavier aus mit einer Stimme, die entfernt an Gregory Porter erinnert. Ein netter Abend!

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Tag 289 / Do 23.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Ein Scenic Drive im Ku-ring-gay-National Park lockt uns heute. Nach etwa 20 Minuten Fahrt sind wir in der Marina von Cottage Point und staunen über Anzahl und Größe der vor Anker liegenden Segel- und Motorboote. Mildes Licht liegt über den Hügeln und dem Wasser; der Anblick erinnert sehr an die Marlborough Sounds am Nordrand der neuseeländischen Südinsel, in der letzten Eiszeit entstanden. Kurz vor uns quert ein australischer Truthahn (roter Kopf, schwarze Federn, gesprenkelter Bauch – dennoch kaum hübscher als der deutsche Truthahn) den Weg. In der Illawong Bay fährt jemand Wasserski. Auf dem Weg zum West Head Lookout halten wir noch beim Basin Aboriginal Art Site, wo Felszeichnungen ziemlich deutlich Menschen, Fische und Wallabys darstellen. Am West Head haben wir einen wunderschönen Blick auf den Barrenjoey Head mit seinem Leuchtturm, an der Spitze von Palm Beach gelegen (ja, ihr Nürnberger, ihr dürft jetzt grinsen… ich weiß, woran ihr bei „Palm Beach“ denkt…). 

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Tag 290 / Fr 24.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Der Bus bringt uns wieder in die Stadt; heute wollen wir die Art Gallery of New South Wales besuchen, die neben europäischer Kunst eine gute Aborigine-Abteilung haben soll, was sich auch als richtig herausstellt. Die Traumlandschaften der Aborigine-Kunst begeistern mit ihren erdigen und doch kräftigen Farben: Braun, Ocker, Gelb, Weiß, Schwarz und Rot. Gemalt wird statt auf Leinwand oft auch auf Rinde. Eine Installation ist besonders hübsch: aus Hunderten von Bleikristall-Schüsselchen und -gläsern wird die Form von drei untergegangenen Inselchen aufgegriffen, während das Kristall auf die europäischen Siedler anspielt. Alles einzeln an Fäden aufgehängt, sehr ästhetisch! Die Sonderausstellung Marcel Duchamp und die Kunst Europas heben wir uns für den Sonntag auf.
Durch einen Park mit sehr alten, riesigen Bäumen bewegen wir uns auf den Sydney Tower zu, wo wir für 17 Uhr ein Dinner gebucht haben. Weil zwei verschiedene Gesellschaften Restaurant und Aussichtsplattform betreiben, müssen wir leider noch warten. Endlich oben erhaschen wir gerade noch den Blick auf den roten Abendhimmel, der auch die vielen Gewässer rot tönt, bevor Sydney vor nachtschwarzem Hintergrund zu glitzern beginnt. Das Drehrestaurant befindet sich im 87. Stockwerk und dreht sich relativ schnell. Beim Schmausen genießen wir den Ausblick und stellen fest, dass wir selbst im Dunklen einige Gebäude und signifikante Positionen erkennen. Ein bisschen kurz sind die eineinhalb Stunden Zeitfenster bemessen, aber wir wollen mal nicht meckern… der Eindruck ist überwältigend!
Um 18 Uhr wird auch das Licht- und Musikfestival „Vivid“ eröffnet; die meisten sehenswerten Aktionen finden in Darling Harbour und am Circular Quay statt. In Darling Harbour findet alle 20 Minuten eine etwas langweilige Show mit drei Robotern statt, eher rückwärtsgewandt als futuristisch. Aber um 19.40 (und auch um 21 Uhr) spendiert die Stadt wieder ein Feuerwerk – das nehmen wir als ‚post-dessert‘ mit… 


Tag 291 / Sa 25.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Gegen Mittag brechen wir in Richtung Northern Beaches auf, suchen aber auf dem Weg dorthin noch einen von weltweit nur sieben Bahai-Tempeln auf. Die Bahai sind – mit meinen Worten - eine philosophische Gemeinschaft mit religiöser, monotheistischer Basis, die in ihren Andachten auf sämtliche spirituelle Texte (eben jener monotheistischen Religionen) zurückgreift. Das Grab ihres persischen Gründers liegt im israelischen Exil in Haifa. Der deutsche Tempel steht in Langenhain bei Frankfurt. Die Architektur in Sydney beruht auf einem neunzackigen Stern. Die Anlage ist sehr gepflegt und einladend.  
Knapp oberhalb des Whale Beach (wo eine Dame am Vortag tatsächlich einen Wal gesichtet hat) finden wir einen Parkplatz. Es gibt eine Außendusche, einen Hahn für die Füße, Toilettenanlagen mit viel Platz zum Umziehen und Haken (wenn ich da an Argentinien denke…!). Am Whale Beach ist auch eines der rund 40 Meeresschwimmbecken zu finden, die es um Sydney herum gibt. Einmal pro Woche wird es komplett entleert, und mit jeder Flut schwappt sowieso frisches (Meer-)Wasser ins Becken. Es sieht einladend aus; nach einer kleinen Sonnenanbetung am Strand testen wir das Wasser – herrlich! Hier sollte man wohnen! Im Herbst!!! Aber Einheimische sagen uns, in diesem Jahr sei der Herbst besonders mild und warm.
Wir fahren noch bis an die Spitze der Northern Beaches, nach Palm Beach. Vogelgeschrei lässt uns nach oben blicken: Der ‚Rainbow Lori‘, eine bunte Papageienart, zu Deutsch auch Allfarb-Lori genannt, hat in einem Busch offenbar seine Lieblingsspeise gefunden, hängt oft kopfüber am Zweig und ist ins Knabbern versunken. Es ist der bunteste Vogel, den ich je in der freien Natur gesehen habe!
Zu zwei Seiten der schmalen Landzunge ist Wasser: Im Osten ist es fast schon kühl, während im Westen die Sonne herunterbrennt (27 Grad Tageshöchsttemperatur). Was ich aus dem Augenwinkel für einen Kinderspielplatz halte, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als Golfplatz… Tom schüttet sich vor Lachen aus… Auf einer Wiese steht – wie so oft auch in Neuseeland – ein überdachter Picknickplatz MIT einem modernen Gasgrill… zur öffentlichen Verfügung. Unglaublich!


Tag 292 / So 26.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Erst am Nachmittag steigen wir in einen Bus, der uns zur Fähre in Manly bringen soll. Es stinkt entsetzlich nach Bier, lärmende Jugendliche haben es bestenfalls verschüttet, schlechtestenfalls dünsten sie es aus… Igitt. Wenigstens ist auf der Fähre dann die Luft gut, und wir lassen uns den Fahrtwind um die Nase wehen. Natürlich stehen wir auf der richtigen, d.h. der linken Seite, wo dann nach gut 20 Minuten Sydneys Skyline und das Opera House auftauchen. Welch ein beeindruckender Anblick!
Vom Circular Quay aus begeben wir uns schnurstracks zur Art Gallery – wir haben uns die Ausstellung „The Essential Marcel Duchamp“ vorgenommen. Naja, ein bisschen dünn ist es schon, was er geleistet hat; am meisten beeindrucken die frühen Ölbilder aus seiner kubistischen Phase. Vor dem berühmten Ready-Made des Urinoirs – in einem Glaskasten präsentiert - steht dann gerade eine französische, bildungsbürgerliche Familie, und der kleine Junge, etwa vier Jahre alt, sagt nach längerer Betrachtung des Urinoirs: „Et où est la chasse d‘eau?“ (Und wo ist die Spülung?) Recht hat er…! Nach einer 20-jährigen schöpferischen Pause, in der Duchamp wohl nur Schach spielte und farbige Kreise zu Papier brachte, gelang ihm ein – post mortem – entdecktes Meisterwerk, das aber nur per Film übermittelt wird, weil in situ in einem Museum in Philadelphia aufgebaut. Weder die Ausstellung noch Duchamp selbst überzeugen uns – außer ein paar hinlänglich bekannten Ideen nichts Neues erfahren. Schade.
Nach einem guten Steak am Circular Quay reihen wir uns in den Strom Tausender anderer Menschen in Richtung Opera House ein, wofür zwei Wochen lang sogar mehrere Straßen im Umfeld der Lichtaktionen ab 17 Uhr gesperrt und etliche Bushaltestellen verlegt sind. Ein Riesenaufwand…! Bevor wir uns den dachfüllenden Videoprojektionen am Opera House länger widmen, werden wir noch von Projektionen auf Museum of Contemporary Art – auf riesiger Fassadenfläche - sowie von der bunt blinkenden Harbour Bridge und den beleuchteten Booten im Hafenbecken abgelenkt. Unter der Harbour Bridge sieht man auch noch den Luna-Park mit seinen Fahrgeschäften – schon für sich genommen ein Fotomotiv. Toll sieht die Oper unter den farbigen Projektionen aus!
Auch in den nahe gelegenen Botanical Gardens sind Licht- und Musikinstallationen zu sehen. Im Einbahnstraßen-Prinzip gehen die Leute, vorbei an manchem bunt beleuchteten Baum, von einer Attraktion zur anderen, einige mehr, andere weniger gelungen, ein paar mit Publikumsbeteiligung. Oft ist der Rasen mit Gummimatten geschützt, Schilder erklären den ohnehin völlig klaren Weg. Eine sehr große Installation ist ebenso einfach wie poetisch: An leichten Metallstäben, bewegt von einem Mini-Motor, sind Leuchtdioden befestigt, die in der Manier von Glühwürmchen über einer größeren Wiese tanzen. Grüne leuchtende Zipfelmützen bilden mit einer Art Mini-Labyrinth den Abschluss. 

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Tag 293 / Mo 27.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Heute wollen wir ein Motorboot mieten; das Wetter ist schön, die Sonne lacht. Aber als wir im Nationalpark beim Bootsverleih ankommen, erfahren wir, dass ein Sturm angekündigt ist und man uns deshalb kein Boot leiht. Gut, also nur ein Capuccino auf der Sonnenterrasse – und tatsächlich wird es schon bewölkter und windiger, solange wir noch dort sitzen. Später sitzen wir in unserem Quartier bei Wind und Regen und sind ganz froh, dass man uns vor Seenot bewahrt hat: Schließlich sind die diversen ‚creeks‘ im Nationalpark allesamt Meeresarme…
Also lesen, neue App laden u.ä. und am späten Nachmittag fahren wir nach Collaroy, einem Vorort Richtung Sydney, dessen Kino von 1938 auch innen noch erstaunlich original ist, was die Wandgestaltung betrifft – die Sessel sehen dagegen neu aus und sind sehr bequem. Als einzige Besucher sehen wir uns den australischen Dokumentarfilm „2040“ an, in dem der Filmemacher, Vater einer Vierjährigen, überlegt, wie man den Klimawandel aufhalten könnte. Vor allem malt er sich aus, welche Welt seine um diese Zeit fast erwachsene Tochter erwarten würde; er sucht Menschen in aller Welt auf, deren Projekte Anlass für Hoffnung sind und kommt zu dem Schluss, dass, wenn jeder mitmachen würde, es um unseren Planeten doch gar nicht so schlecht bestellt wäre. 


Tag 294 / Di 28.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Um 4 Uhr früh rappelt der Wecker… eine Dreiviertelstunde später sitzen wir schon im Express-Bus und tapern dann durch die noch nächtlich-verlassene Innenstadt in Richtung Fischmarkt. Wenigstens gibt es im Fischmarkt-Gebäude auch eine Bude, wo wir neben starkem Kaffee auch die besten Croissants unserer Reise vorfinden. Mit Croissant im Magen verträgt man auch den Fischgeruch in der Markthalle, wo wegen des gestrigen Sturms heute nur wenig Fisch versteigert wird. Fotografieren darf man nicht, aber zusehen, wie die Händler nach dem Prinzip der holländischen Tulpenauktion in Windeseile die vorher schon begutachteten Fische und Meeresfrüchte ersteigern. Im Parterre sind mehrere Packer beschäftigt, die verkaufte Ware zu den jeweiligen Kundenfahrzeugen zu transportieren. Unser Guide Alex (dessen Mutter schon mal zwei Jahre in Feldafing bei München wohnte, wodurch er die Schweinshaxe kennen- und lieben lernte) ist Seafood-Experte, angelt selbst und kennt alles und jeden im Markt. Wir erfahren, wie man männliche von weiblichen Schlamm-Krabben unterscheidet, ihr Alter erkennt (Tipp: Nur die mit verkratzten Zangen kaufen!), dürfen beobachten, wie er einen Hummer aus dem Wasser nimmt und durch Streicheln gegen die Richtung beruhigt (der Hummer hängt wie hypnotisiert am Beckenrand), sehen tropische Fische, riesige Muscheln, staunen, inwiefern die Nachfrage aus Japan die Preise in Australien beeinflusst und lernen Jackie, den selbständigen Fisch-Schupper, kennen und Lee, den Austern-Öffner. Die Zahlen kann ich mir leider nicht merken, aber jedenfalls hat Australien mit wenigen Einwohnern eine RIESIGES Meeresgebiet, das noch nicht überfischt ist und in dem überdies noch sehr viele verschiedene Fische und Muscheln zuhause sind: In Sydney werden täglich etwa 100 Seafood-Sorten verkauft. Im ersten Stock des Fishmarket gibt es eine Kochschule (nach deren Vorbild die Seafood Cooking School von Auckland kreiert wurde!) und unten diverse Händler, die Austern und/oder Fisch verkaufen; manche bereiten jedes Seafood auf Anfrage zu. Weil es nach der Führung erst 8.20 ist, probieren wir nur ein paar Austern, die leicht asiatisch angerichtet sind und uns im Gegensatz zu ihren französischen Artgenossen sehr gut schmecken. Alex meint, es liege daran, dass in Frankreich die Austern eher im brackigen Wasser gezüchtet werden (weil Süßwasser ins Meer fließt), während die australischen Flüsse kaum Wasser ins Meer brächten und die Austern so ständig im Salzwasser lebten. Mag sein. Wir verzehren sie draußen am Wasser; über uns sitzt ein riesiger Pelikan auf einem Lichtmasten und wartet ab. Neben ihm flattern – mitten in Sydney – mehrere Regenbogen-Loris herum.
Die Museen öffnen erst um zehn Uhr; wir finden ein sonniges Plätzchen vor einem Schwimmbad und lesen noch ein wenig, ab und zu den Blick auf die Hochhauskulisse Sydneys gerichtet. Punkt zehn stehen wir am „Powerhouse Museum“, einem Museum für angewandte Kunst und Wissenschaft (eigentlich eher: Industrie und Design). Wie in Dunedin gibt es eine Abteilung über die Errungenschaft der Dampfmaschine, hier allerdings mit einer Rarität: Eine Dampfmaschine, die James Watt himself gebaut hat! Ein kleiner Zug mit Dampflok darf auch nicht fehlen, ein Art-Deco-Kinoeingang, die Modeausstellung eines Japaners, der oft schon mit dem Australian Ballet zusammengearbeitet hat… kurioserweise auch das Modell der astronomischen Uhr aus dem Straßburger Münster und ein Lace Study Centre, in dem eine freundliche Dame klöppelt und auf eine Schulklasse wartet; das Spitzen-Zentrum würde aber vor Scham in den Boden versinken, könnte es die Schätze in Abenberg kennenlernen…! Ein nettes Durcheinander in einem ehemaligen E-Werk, daher der Name Powerhouse Museum.
Unser zweites Highlight des Tages ist der Besuch eines Trainee-Restaurants: “William Blue Dining“. Auch wenn die Serviermamsellen manchmal ein bisschen ungeschickt die Teller absetzen, machen sie doch alles mit einem Lächeln wett. Das Essen können wir uneingeschränkt allen Sydney-Reisenden empfehlen (gleich hinter dem Museum of Contemporary Art). Ein kleiner Verdauungsspaziergang danach führt durch „The Rocks“, ein sehr altes Viertel Sydneys. Aber, naja, kein Vergleich zu good old Europe und seine alten Viertel… Relativ bald nehmen wir noch einmal die Fähre nach Manly, um noch einen vorerst letzten Blick auf die Skyline, die Harbour Bridge und die Oper zu werfen. Schön war es in Sydney!

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Tag 295/ Mi 29.5.2019 / Sydney
(Cornelia) Nach dem gestrigen Stadttag sind wir schon wieder erholungsreif; packen müssen wir auch und vor allem überlegen, was morgen das erste Ziel mit dem Wohnmobil sein wird. Nach Reiseführer-Lektüre und Konsultation von google maps plus zwei Campingplatz-Apps steht fest, dass es Richtung südliches New South Wales geht. Dort stolpert man von einem Nationalpark in den nächsten…
Am Abend kommt die gute Nachricht über die Rückerstattung durch Airbnb; offenbar ist unser Fall vom normalen ‚case manager‘ (endlich – nach 12 Tagen) in die nächsthöhere Ebene gehievt worden und – schwupps – landet die Rückerstattung für 13 gebuchte Tage auf meinem Konto. Auf Nachfrage, warum Tag 14 (schlaflose Nacht, Wohnungssuche, Umzug) nicht auch erstattet wird, gibt es noch einen kleinen Nachschlag. Airbnb erstattet uns tatsächlich den gesamten Preis für zwei Wochen in Höhe von knapp 800 Euro zurück. Das Inserat wird von der Plattform genommen.

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